Dienstag, 12. März 2019

Joey Gobel - Irgendwann wird es gut






Verlag: Diogenes
Seiten: 320
Erschienen: 27. Februar 2019
Preis: 22 Euro (Ebook: 18.99 Euro)








Ein junger Mann wartet mit zwei Drinks auf seine Angebetete. Sie kommt pünktlich - im Fernsehen. Ein Junge träumt von Ausbruch und von einer Musikerkarriere, ein Mädchen möchte lieber noch nicht erwachsen werden und in einem Hotel checkt ein junger Mann ein, der ein Abenteuer erleben möchte. Denn sein Leben ist keines. 
Wir treffen ganz normale Menschen, die ihr Leben leben aber das Gefühl nicht unterdrücken können, dass dieses Leben ihnen zu wenig ist. Sie leben in Moberly, einer Kleinstadt in Kentucky und betrachten diese gleichzeitig als Zufluchtsort und Gefängnis. Das sind ihre Geschichten. 

Es gibt Bücher, die warten viel zu lange auf ihren großen Auftritt. Vor ungefähr drei Jahren habe ich ein Buch von meinem Stapel ungelesener Bücher befreit, das "Vincent" hieß. Geschrieben hatte es ein gewisser Joey Goebel. Mein erstes Buch von diesem Autoren. Als ich die ersten Seiten von "Vincent" las, wurde mir schnell klar, dass ich etwas Besonderes in den Händen halte. Und lange bevor ich die letzte Seite von "Vincent" las, wurde es zu eines meiner absoluten Lieblingsbüchern. 

Nun gab es also etwas Neues von diesem wunderbaren Autoren zu lesen, der das ungeheure Talent besitzt seine Figuren so lebendig wirken zu lassen und so einzigartig zu kreieren, dass alles andere neben ihnen verblasst und man jede ihrer Emotionen nachempfindet und immer wieder fühlt. 
"Irgendwann wird es gut" ist ein Kurzgeschichtenband und vor der Lektüre war ich - zugegeben- etwas vorsichtig. Würde es Joey Goebel auch mit Kurzgeschichten schaffen sich so sehr in mein Herz zu schreiben, wie er es mit "Vincent" getan hat? Die Antwort ist einfach und kurz: Ja. 

"Irgendwann wird es gut" ist ein Buch, das man einmal liest und sich sofort verliebt in jede einzelne Figur, weil es Joey Goebel schafft, dass man sofort ein Bild von diesen im Kopf hat, mit das man sich identifiziert. Die Protagonisten der Kurzgeschichten verbindet das permanente Gefühl der Einsamkeit, der Suche nach sich selbst und nach dem Glück, das sich meistens, ihrer Ansicht nach, außerhalb ihrer Reichweite befindet. Man verliebt sich - als Leser - sogar in den, in jeder Geschichte vorkommenden Handlungsort, Moberly, eine verwaiste Kleinstadt in Kentucky, die eigentlich die innere Zerrissenheit der Protagonisten symbolisiert. Sie wollen auf der einen Seite ausbrechen und sehen Moberly als ihr Gefängnis an, das sie daran hindert am wahren Leben außerhalb dieser Kleinstadtwelt teilzunehmen. Auf der anderen Seite allerdings ist immer etwas im Leben dieser Protagonisten, das sie an Moberly bindet und es ihnen unmöglich macht ihre so lang gehegten Pläne in die Tat umzusetzen. Der ein oder andere Protagonist entdeckt in seiner Geschichte sogar eine eigentümliche Schönheit in der Stadt, die sich in besonderen Formen zeigt.

Das hohe Identifikationspotenzial mit Joey Goebels Figuren in "Irgendwann wird es gut" vereint all diese Umstände. Die Figuren scheitern immer wieder, sie sind einsam und haben das Gefühl nicht alles aus ihrem Leben herauszuholen. Das sind Gefühle, mit denen wir uns alle mindestens einmal in unserem Leben auseinander gesetzt haben. Gleichzeitig geben die Protagonisten nicht auf. Sie versuchen alles, um ihrem Leben ein bisschen Glück wiederzugeben oder ihre Träume zu verwirklichen. Sie könnten unsere Nachbarn sein, mit denen wir uns gelegentlich im Treppenhaus oder über den Zaun hinweg unterhalten. Sie könnten unsere Freunde sein, die uns bei einem Bier von ihren Problemen erzählen. Sie könnten wir sein.

Joey Goebel ist mit seinem Kurzgeschichtenband etwas Großartiges gelungen. Ein Buch, das man einmal liest und schon während des Lesens weiß, dass es nicht das letzte Mal ist, dass man danach gegriffen hat. Eine weitere liebenswerte Eigenschaft an "Irgendwann wird es gut" ist zweifellos, dass bereits bekannte Figuren in anderen Geschichten wieder auftreten und das sicherlich noch ein Grund ist das Buch öfter zu lesen, weil man dann erst das ein oder andere 'Easter Egg' in Goebels Erzählungen wiederfindet. 

Am Ende meiner Lobeshymne auf dieses großartige Buch möchte ich dann noch das Interview mit dem Autoren am Ende der Erzählungen empfehlen, das Benedict Wells geführt hat und das einige interessante Aspekte zur Entstehung des Bandes verrät und einfach nur wunderbar ist. 

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