Sonntag, 17. März 2019

Daniela Krien - Die Liebe im Ernstfall






Verlag: Diogenes
Seiten: 288
Erschienen: 27. Februar 2019
Preis: 22 Euro (Ebook: 18.99 Euro)







Das sind die Leben von Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Fünf völlig verschiedene Frauen, deren Lebenswege sich auf verschiedene Arten und Weisen immer wieder zu kreuzen scheinen. Sie leben, sie machen Fehler und vor allem lieben sie, ebenfalls auf völlig unterschiedliche Weisen, aber intensiv und vorbehaltlos. 
Ihre Leben finden immer wieder Möglichkeiten sie zu Boden zu werfen, doch die fünf Frauen kämpfen und geben nicht auf und zeigen auf beeindruckende Weise, was für sie Liebe bedeutet. 

Daniela Krien liefert mit "Die Liebe im Ernstfall" ein perfektes Beispiel dafür, wie man es schaffen kann, auf nur wenigen Seiten eine so unglaubliche Intensität aufzubauen, die man fast mit Händen greifen kann. Der Leser wird sofort in die Handlung hineingeworfen, die sich zu Beginn mit dem Leben der Figur 'Paula' beschäftigt. Es gibt keine Einleitung, keinen einführenden Absatz, sofort ist Paula da. Ihr Leben mit all den Höhen und Tiefen, ihre Gefühlswelt, einfach ihr pures und unbändiges Wesen. Und genauso geht es mit den anderen Figuren weiter.

Die Erzählungen über die Leben dieser Frauen, das macht Daniela Krien so sensationell gut, dass man ihr am liebsten ständig applaudieren möchte. Es ist nicht möglich in den Beschreibungen der Lebenswelten dieser Frauen auch nur einmal das Buch sinken zu lassen, geschweige denn es beiseite zu legen. Bloß nach wenigen Seiten ist man bereits in diesen Figuren gefangen, dass es mindestens bis zum nächsten Kapitel dauert, bis man überhaupt wieder halbwegs in die Realität zurückkehren kann. 

Ich habe "Die Liebe im Ernstfall" mehr inhaliert, als gelesen. Dabei hatte ich vor der Lektüre ein ganz anderes Buch erwartet. Ich dachte zunächst , es handle sich um einen Roman, in dem die zeitliche Handlung kapitelweise ineinander greift, dabei ist diese wunderbare Geschichte eher als eine Art Episodenroman zu betrachten, in dem jeweils das Leben einer Frau erzählt wird. Natürlich taucht die ein oder andere Figur noch einmal auf, aber der Fokus liegt immer bei der weiblichen Figur, die auch in der Kapitelüberschrift steht. Dieser Erzählstil ist genau passend gewählt, denn sonst hätte "Die Liebe im Ernstfall" sicherlich nicht so gewirkt, wie das schlussendlich der Fall gewesen war. 

Es geht um Liebe, um Schmerz, um Verlust, Einsamkeit und das sich selbst finden und, wie bereits erwähnt, habe ich diese Themen selten so intensiv erlebt, wie das bei Daniela Krien gewesen ist. Bei jeder einzelnen Figur hatte ich das Gefühl nicht nur vom Geschehen zu lesen, sondern alles emotional nachzuempfinden. So, als würde ich den Protagonistinnen die Hand halten, wenn sie Glück erleben oder vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens stehen, diesen dann wieder aufkehren und weitergehen. 
Und genau das ist für mich auch die wichtigste Botschaft der Geschichte. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde könnten jede von uns sein und trotz ihrer Fehler und den Steinen, denen ihnen das Leben in den Weg legt, machen sie weiter. So wie wir. Weil ein bisschen von ihnen in jede von uns steckt.

Ein großartiger Roman. 
Unbedingt lesen! 

Dienstag, 12. März 2019

Joey Gobel - Irgendwann wird es gut






Verlag: Diogenes
Seiten: 320
Erschienen: 27. Februar 2019
Preis: 22 Euro (Ebook: 18.99 Euro)








Ein junger Mann wartet mit zwei Drinks auf seine Angebetete. Sie kommt pünktlich - im Fernsehen. Ein Junge träumt von Ausbruch und von einer Musikerkarriere, ein Mädchen möchte lieber noch nicht erwachsen werden und in einem Hotel checkt ein junger Mann ein, der ein Abenteuer erleben möchte. Denn sein Leben ist keines. 
Wir treffen ganz normale Menschen, die ihr Leben leben aber das Gefühl nicht unterdrücken können, dass dieses Leben ihnen zu wenig ist. Sie leben in Moberly, einer Kleinstadt in Kentucky und betrachten diese gleichzeitig als Zufluchtsort und Gefängnis. Das sind ihre Geschichten. 

Es gibt Bücher, die warten viel zu lange auf ihren großen Auftritt. Vor ungefähr drei Jahren habe ich ein Buch von meinem Stapel ungelesener Bücher befreit, das "Vincent" hieß. Geschrieben hatte es ein gewisser Joey Goebel. Mein erstes Buch von diesem Autoren. Als ich die ersten Seiten von "Vincent" las, wurde mir schnell klar, dass ich etwas Besonderes in den Händen halte. Und lange bevor ich die letzte Seite von "Vincent" las, wurde es zu eines meiner absoluten Lieblingsbüchern. 

Nun gab es also etwas Neues von diesem wunderbaren Autoren zu lesen, der das ungeheure Talent besitzt seine Figuren so lebendig wirken zu lassen und so einzigartig zu kreieren, dass alles andere neben ihnen verblasst und man jede ihrer Emotionen nachempfindet und immer wieder fühlt. 
"Irgendwann wird es gut" ist ein Kurzgeschichtenband und vor der Lektüre war ich - zugegeben- etwas vorsichtig. Würde es Joey Goebel auch mit Kurzgeschichten schaffen sich so sehr in mein Herz zu schreiben, wie er es mit "Vincent" getan hat? Die Antwort ist einfach und kurz: Ja. 

"Irgendwann wird es gut" ist ein Buch, das man einmal liest und sich sofort verliebt in jede einzelne Figur, weil es Joey Goebel schafft, dass man sofort ein Bild von diesen im Kopf hat, mit das man sich identifiziert. Die Protagonisten der Kurzgeschichten verbindet das permanente Gefühl der Einsamkeit, der Suche nach sich selbst und nach dem Glück, das sich meistens, ihrer Ansicht nach, außerhalb ihrer Reichweite befindet. Man verliebt sich - als Leser - sogar in den, in jeder Geschichte vorkommenden Handlungsort, Moberly, eine verwaiste Kleinstadt in Kentucky, die eigentlich die innere Zerrissenheit der Protagonisten symbolisiert. Sie wollen auf der einen Seite ausbrechen und sehen Moberly als ihr Gefängnis an, das sie daran hindert am wahren Leben außerhalb dieser Kleinstadtwelt teilzunehmen. Auf der anderen Seite allerdings ist immer etwas im Leben dieser Protagonisten, das sie an Moberly bindet und es ihnen unmöglich macht ihre so lang gehegten Pläne in die Tat umzusetzen. Der ein oder andere Protagonist entdeckt in seiner Geschichte sogar eine eigentümliche Schönheit in der Stadt, die sich in besonderen Formen zeigt.

Das hohe Identifikationspotenzial mit Joey Goebels Figuren in "Irgendwann wird es gut" vereint all diese Umstände. Die Figuren scheitern immer wieder, sie sind einsam und haben das Gefühl nicht alles aus ihrem Leben herauszuholen. Das sind Gefühle, mit denen wir uns alle mindestens einmal in unserem Leben auseinander gesetzt haben. Gleichzeitig geben die Protagonisten nicht auf. Sie versuchen alles, um ihrem Leben ein bisschen Glück wiederzugeben oder ihre Träume zu verwirklichen. Sie könnten unsere Nachbarn sein, mit denen wir uns gelegentlich im Treppenhaus oder über den Zaun hinweg unterhalten. Sie könnten unsere Freunde sein, die uns bei einem Bier von ihren Problemen erzählen. Sie könnten wir sein.

Joey Goebel ist mit seinem Kurzgeschichtenband etwas Großartiges gelungen. Ein Buch, das man einmal liest und schon während des Lesens weiß, dass es nicht das letzte Mal ist, dass man danach gegriffen hat. Eine weitere liebenswerte Eigenschaft an "Irgendwann wird es gut" ist zweifellos, dass bereits bekannte Figuren in anderen Geschichten wieder auftreten und das sicherlich noch ein Grund ist das Buch öfter zu lesen, weil man dann erst das ein oder andere 'Easter Egg' in Goebels Erzählungen wiederfindet. 

Am Ende meiner Lobeshymne auf dieses großartige Buch möchte ich dann noch das Interview mit dem Autoren am Ende der Erzählungen empfehlen, das Benedict Wells geführt hat und das einige interessante Aspekte zur Entstehung des Bandes verrät und einfach nur wunderbar ist. 

Montag, 11. März 2019

Lesemonat Februar

Liebe Freunde, 
hier kommt mein Lesemonat Februar. Im vergangenen Monat habe ich insgesamt sieben Bücher gelesen, wovon eines ein Ebook und eines eine Graphic Novel war. Insgesamt kam ich auf 2738 Seiten. Wie immer waren die Genres bunt gemischt.
Dann kann es ja losgehen. 

Begonnen hat der Lesemonat noch in meinem England-Urlaub, der mich an die Südküste von England und nach London geführt hat. Dabei sind natürlich auch einige neue Bücher in den Koffer gewandert. Eines davon kam von Victoria Schwab "City of ghosts". Das Buch stand schon sehr lange auf meiner Wunschliste und ich habe es noch in England beendet. Es geht um Cass, die mit ihren Eltern, die Geisterjäger sind, nach Schottland reist, um anlässlich einer geplanten TV-Serie der Eltern, die verspuktesten Orte der Welt aufzusuchen. Ihre Eltern glauben fest an das Übernatürliche, auch wenn sie noch nie einen echten Geist gesehen haben. Sie ahnen allerdings nicht, dass Cass ein Geheimnis hat und das sich nicht nur darum dreht, dass ihr bester Freund ein Geist ist... Ich hatte wirklich viel Spaß Cass auf ihre Schottland Reise zu begleiten und das nicht nur, weil das Buch voller Harry Potter Verweise steckt. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

Weiter ging es mit dem ersten Teil von Marie Rutkoskis "Spiel der Macht" Reihe "Die Schatten von Valoria". In der Geschichte geht es um die Tochter des ranghöchsten Generals in Valoria Kestrel und ihrem ersteigerten Sklaven Arin, um die sich eine zarte Liebesgeschichte anbahnt. Doch Arin hat ein großes Geheimnis und als es herauskommt, droht es das Leben beider entscheidend zu verändern. Ich hatte ein paar Einstiegsprobleme bei der Geschichte, aber irgendwann kam die Handlung doch in Fahrt und die Seiten flogen nur so dahin. Somit war der erste Teil ein sehr gelungener Einstieg, der Lust auf die Nachfolgebände macht. Zu diesem Buch habe ich auch eine Rezension geschrieben. 

Das nächste Buch aus dem Lesemonat Februar kam von der wunderbaren Ava Reed. Ihr neues Buch "Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen" gehörte wohl zu den von mir am meisten herbeigesehnten Neuerscheinungen und dann musste es natürlich sofort gelesen werden. In der Geschichte geht es um Leni, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht und mit großen Plänen in ihr restliches Leben starten will. Doch dann bricht plötzlich alles zusammen. Es beginnt schleichend mit plötzlichen Übelkeitsattacken in der Schule und mit Schweißausbrüchen in voll besetzten U-Bahnen. Zunächst versucht Leni ihr verrutschtes Leben als Phase zu bezeichnen, doch schnell wird klar, dass es sehr viel mehr ist, als das. Die Diagnose lautet: Depression. Ava Reed beschreibt auf wunderbar einfühlende und berührende Weise Lenis Kampf zurück ins Leben. Die Geschichte berührt, ist mutig und so, so wichtig. Ein tolles Buch, das ein Thema behandelt über das viel mehr geredet werden sollte.

Weiter ging es im vergangenen Monat mit einem wunderbaren Fantasy-Abenteuer. Jasper Ffordes "Der Fall Jane Eyre" war mal wieder so ein Zufallsfund bei den vielen wundervollen Leuten, denen ich auf Instagram folge. Der Inhalt klang durchweg durchgeknallt und schien somit genau das Richtige für mich zu sein und ich wurde nicht enttäuscht. In der Geschichte geht es um die Literatur-Geheimagentin Thursday Next, die eine Stelle in ihrer Heimatstadt Swindon antritt und schon bald geht es dort hoch her. Der Schurke Acheron Hades hat es doch tatsächlich fertig gebracht Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Bronté zu entführen, um Lösegeld zu erpressen. Ganz England ist geschockt und fragt sich, ob das Manuskript von Jane Eyre nun unrettbar zerstört ist. Doch die Rechnung wurde ohne Thursday Next gemacht, die alles daran setzt Hades zu stürzen. Fforde hat ein wunderbar verrücktes Fantasy Abenteuer kreiert, das wirklich auf jeder Seite Spaß macht und auch durchaus gesellschaftskritisch sein kann. Ich freue mich besonders darüber, dass über die Agentin Thursday Next eine ganze Reihe entstanden ist und kann es kaum erwarten den nächsten Band zu lesen.

Ein weiteres Highlight aus dem Februar kam definitv von der Autorin Chimamanda Ngozi Adichie. "Americanah" stand ebenfalls schon sehr lange auf meiner Wunschliste. Die Geschichte um die einschneidende Liebesgeschichte zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre ihren Lauf nimmt und dann sogar um die halbe Welt führt, ist ein unglaublich intensives und eindringliches Buch geworden, in dem die Lebensgeschichten zweier junger Menschen beschrieben werden, die sich aus verschiedenen Gründen von der Welt, in der sie leben mehr versprechen und ausbrechen wollen. Es fiel mir sehr oft schwer das Buch beiseite zu legen, auch wenn oft gar nicht viel passiert, trotzdem wollte ich immer wissen, wie es weiter geht. Eine unbedingte Leseempfehlung meinerseits. 

Das vorletzte Buch aus dem Lesemonat Februar kommt von Astrid Lindgren. In "Die Menschheit hat den Verstand verloren. Tagebücher 1939-1945" geht es um die Tagebücher, die Astrid Lindgren, während des zweiten Weltkrieges, in ihrer Heimat Schweden geschrieben hat. Das Besondere an Lindgrens Beschreibungen ist hierbei die Tatsache, dass Schweden zu den wenigen Ländern gehörte, die während der gesamten Kriegsjahre immer nur eine passive Rolle im Krieg gespielt hat. So hatte Lindgren einen einzigartigen Blick als außenstehende Betrachterin auf das Kriegsgeschehen, das sich beinahe unmittelbar im Landesumland abgespielt, aber sie nie wirklich betroffen hat. Während der Lektüre fiel es mir manchmal schwer unmittelbare Zusammenhänge zu begreifen, da Lindgrens Tagebücher nur übersetzt und fast gar nicht verändert wurden. Doch das meiste habe ich verstanden und bekam einen umfangreichen Überblick über Lindgrens Wahrnehmung des Krieges. Ein Buch, das für mich auch durchaus im Geschichtsunterricht Platz finden sollte.

Zu guter Letzt fiel mir Gerard Ways "The Umbrella Academy (Weltuntergangs-suite)" in die Hände. Die Graphic Novel, die aufgrund der neuen Netflix Serie von Cross Cult neu verlegt wurde. Schon länger wollte ich die Serie beginnen und habe gedacht, es könnte ganz hilfreich sein zuerst die Graphic Novel zu lesen und die verspricht schon einiges. Ein unglaublich amüsantes und actionreiches Fantasy-Abenteuer, das viel Lust auf die folgenden Bände macht. Die Serie habe ich übrigens immer noch nicht begonnen. Sie steht aber auf meiner Urlaubs-Watchlist.

Und das war es auch schon wieder. Wieder einmal haben mir alle Bücher gefallen, das eine mehr, das andere weniger. Ein Flop war zum Glück nicht dabei und ich freue mich schon sehr auf den nächsten Lesemonat. 
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