Sonntag, 13. Januar 2019

A.J. Steiger - Jeder von uns ist ein Rätsel





Verlag: Carlsen
Seiten: 400
Erschienen: 01. November 2018
Preis: 18 Euro (Ebook: 12.99 Euro)








Die siebzehnjährige Alvie war schon immer anders als ihre Mitmenschen. Sie lässt sich nicht gerne anfassen und generell zieht sie lieber die Gesellschaft von Tieren den Menschen vor. 'Asperger', so haben die Ärzte Alvies Anderssein genannt, doch ihr selbst fällt es schwer etwas mit diesem Begriff anzufangen, weil sie nicht verstehen kann, warum man Abweichungen im gesellschaftlichen Verhalten überhaupt mit irgendetwas bezeichnen muss. 
Alvie fühlt sich wohl in ihrer Wohnung und bei ihrem Job als Tierpflegerin im Zoo, obwohl ihr immer wieder Menschen begegnen, die Alvie ihr abweichendes Verhalten vorwerfen. Doch dann ändert sich plötzlich alles, als Stanley in Alvies Leben tritt. Ein Junge, der in Alvie Gefühle weckt, von denen sie sich sicher war, dass sie sie niemals fühlen würde. Und das gefällt ihr eigentlich überhaupt nicht, da Alvie Veränderungen noch nie gemocht hat. Oder etwa doch?

Der Inhalt von "Jeder von uns ist ein Rätsel" von A.J. Steiger hat mich sofort angesprochen, da ich eine Schwäche für Geschichten habe, die mit besonderen Charakteren einher kommen. Mir gelang es dann auch sehr schnell einen Einstieg in die Geschichte zu finden, da es der Autorin gut gelungen ist Alvies eigentlich sehr schweres Schicksal mit leichten Worten zu beschreiben. Im weiteren Verlauf scheint auch nichts an der Geschichte zu stocken oder den Lesefluss zu beeinträchtigen. Und doch hat mir trotzdem etwas in der Story gefehlt. Es gab keinen Funken, der übergesprungen ist, kein schweres Luftholen, in dem all der Schmerz, den die Figur, von der du gerade liest, empfindet und der in gewisser Weise auf dich übertragen wurde, sich befand. Es gab einfach nicht "das gewisse Etwas", das "Jeder von uns ist ein Rätsel" für mich persönlich zu etwas Besonderem gemacht hätte. Woran das genau lag, kann ich nicht genau benennen, womit dieses Gefühl eher zu den individuellen Empfindungen meinerseits zählt.
Sehr schnell aufgefallen ist mir auch die Tatsache, dass ich keinen Zugang zu 'Alvie' als Figur finden konnte. Etwas, was mir normalerweise leicht fällt, vor allem, wenn die Geschichte aus der Sicht des besonderen Charakters erzählt wird, wie das bei "Jeder von uns ist ein Rätsel" der Fall gewesen ist. Obwohl ich Alvies innere Kämpfe und der Zwiespalt, in dem sie sich immer wieder drängt, hautnahe miterlebt habe, haben sie mich doch irgendwie nicht erreicht. Ich möchte an dieser Stelle mir nicht anmaßen von fehlender oder unzureichender Authentizität zu sprechen, weil ich dafür einfach viel zu wenig informiert bin. Es war wohl einfach eine "höhere Macht", die dazu geführt hat, dass es Alvie und ich nicht auf eine Ebene geschafft haben. Auch die Liebesgeschichte zwischen Alvie und Stanley, die sich während der Lektüre langsam und zart entwickelt, bleibt am Ende leider blass. 
Trotzdem ist "Jeder von uns ist ein Rätsel" keineswegs eine schlechte Geschichte geworden. Wie bereits erwähnt, fällt es nicht schwer viele Seiten dieses Buches mit einer leichten und lockeren Sprache zu lesen und auch die Auflösungen in den jeweiligen Lebensgeschichten der agierenden Protagonisten besitzen einen gewissen Schockeffekt und tragen auch zum Unterhaltungswert der Geschichte bei, aber schlussendlich muss ich zugeben, dass mir die Tiefe gefehlt hat. Etwas, was das Buch in meinem Bewusstsein verankert und immer wieder an das erinnert, was ich beim Lesen gefühlt habe. Das sind aber am Ende alles individuelle Empfindungen, die keineswegs davon abhalten sollten Alvies Geschichte zu lesen, denn jede Geschichte gibt etwas, dem einen mehr, dem anderen weniger. 

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