Donnerstag, 12. April 2018

Assaf Gavron - Achtzehn Hiebe




Verlag: Luchterhand
Seiten: 417
Erschienen: 26. Februar 2018
Preis: 22 Euro (Ebook: 17.99 Euro)





Eitan Einoch, Mitte Vierzig, ist Taxifahrer in Tel Aviv. Jeden Tag erzählt Eitan seinen Fahrgästen bestimmte Anekdoten aus seiner Heimatstadt, wenn er sie zu ihrem Ziel bringt. Es gibt aber auch Tage, da wird Eitans eigene Geschichte ans Tageslicht befördert, meistens, wenn er von seinen Fahrgästen erkannt wird, als derjenige, der in einer Woche drei Terroranschläge überlebt hat. 
Doch alles ändert sich an dem Tag, an dem eine rüstige Seniorin, namens Lotta Pearl in Eitans Taxi steigt und die ungewöhnliche Bitte hervorbringt ab jetzt jeden Tag die Fahrt zum Friedhof mit Eitan machen zu wollen. 
Auf diese Weise erfährt Eitan von einer fast siebzig Jahre zurückliegenden Liebesgeschichte zwischen einem britischen Soldaten und Lotta, dessen Grab sie regelmäßig besuchen will. Zunächst geht Eitan von einer Liebe aus, die über dem Tod hinaus Bestand hat, bis zu dem Tag, an dem Lotta Eitan von ihrem Verdacht erzählt, dass ihre große Liebe möglicherweise einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und den Taxifahrer beauftragt den Mörder zu finden...

"Achtzehn Hiebe" von Assaf Gavron gehört zu diesen Geschichten, von denen man durch Zufall hört und die man aber umso intensiver lesen möchte. Als ich die Inhaltsbeschreibung des Buches vor mir liegen hatte, war mir klar, dass ich um diese Geschichte nicht herumkommen werde und nach der Lektüre hat es sich sehr gelohnt.
Assaf Gavrons Geschichte ist besonders durch und durch. Es ist eine Hommage an die Heimatstadt des Autoren, Tel Aviv, die vor allem durch seine Hauptfigur verkörpert wird. Der Taxifahrer Eitan kennt zu jeder noch so kleinen Begebenheit in Tel Aviv mindestens eine Geschichte oder Anekdote. Die besondere Beziehung zu seiner Heimatstadt schimmert durch jede Zeile hindurch und es bereitet wirklich Freude Eitan bei seinen zahlreichen Fahrten durch Tel Aviv zu begleiten. Die eigentliche Handlung kommt dabei an keiner Seite zu kurz. "Achtzehn Hiebe" lebt vor allem von der Liebesgeschichte zwischen einem britischen Soldaten und des jüdischen Mädchens aus längst vergangenen Zeiten, die nach und nach ein immer deutlicheres Bild ergibt, aber vor allem auch durch die besonderen Charaktere, die in der Geschichte auftreten. Da wäre einmal der bereits erwähnte Eitan, ein geschiedener und liebender Vater, der plötzlich mit Mitte Vierzig wieder sich selbst finden muss und dann natürlich Lotta, die bereits zum Anfang mit einem eigenen und wunderschönen Zitat die Handlung im Buch eröffnet. Lotta bewohnt ein Zimmer im Seniorenheim und tritt mit der ungewöhnlichen Bitte an Eitan heran, dass er sie jeden Tag mit dem Taxi zum relativ weit entfernten Friedhof bringen soll, damit Lotta einen lange verflossenen Liebhaber, der vor kurzem gestorben ist, besuchen kann. 
Aus diesem Ausgangsszenario entwickelt sich eine ungewöhnliche und gut konstruierte Handlung, die irgendwo zwischen Detektivroman, der Geschichte Israels und Liebesgeschichte anzusiedeln ist. Gut konstruiert ist die Handlung aus diesem Grund, weil ich nie wusste, wen von den handelnden Personen wirklich zu trauen ist. Sogar Lotta, die man zu Beginn eigentlich nur ins Herz schließen konnte, tauchte mehr als einmal auf meiner Liste der Verdächtigen auf.
Mit "Achtzehn Hiebe" ist dem Autoren Assaf Gavron eine sehr unterhaltsame Geschichte gelungen. Er nimmt uns mit auf eine Tagestour durch seine Heimatstadt, erzählt von Liebe, Schuld, Verrat und Verbrechen und erschafft sympathische und liebenswürdige Figuren und schafft es dabei nie ins Dramatische oder Kitschige abzurutschen. 
Ein gelungenes Buch. 

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