Donnerstag, 26. April 2018

(Lisa schreibt) Ich bin keine scheiß Märchenprinzessin!

Disney Filme, vor allem, wenn es um Märchen geht, mögen wir alle. Vor allem Happy Ends, in denen die Märchenprinzessin am Ende ihren Prinzen bekommt und Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.
Doch wer hätte gedacht, dass ausgerechnet einige Exemplare des männlichen Geschlechts in Märchenfilmen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden können?

Ich bin Single und - entgegen der Überraschung vieler, vor allem männlicher Zeitgenossen- bin ich es gerne. Ich liebe es völlig frei über meine Zeit bestimmen zu können. Ich liebe es abends mit Freunden wegzugehen und zu flirten mit wem ich will. Und vor allem vergöttere ich diese freien Tage, in denen ich einfach in meinen Schlafklamotten im Bett liegen bleiben kann, um den ganzen Tag zu lesen. Ich befinde mich in einer Phase meines Lebens, in der ich mir vollkommen selbst genüge und das Einzige, was ich brauche ein volles Bücherregal ist- und vielleicht sechs Wochen Strandurlaub.

Trotzdem komme ich nicht umhin in vielen Gesprächen, die ich mit Männern führe in allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen des Lebens, direkt oder indirekt heraus zu hören, dass ich unmöglich "gerne" partnerlos sein kann. Es wäre doch schön immer jemanden an seiner Seite zu haben und überhaupt würde ich das doch bestimmt nur sagen, weil ich in Wahrheit eben doch eine Beziehung will, einsam bin und aus meiner Einsamkeit gerettet werden möchte. Ich frage euch jetzt ganz ehrlich:
Tickt ihr noch ganz richtig?

Wie könnt ihr euch herausnehmen, dass ihr zu glauben wisst, wie meine tiefsten Sehnsüchte aussehen? Wieso könnt ihr nicht glauben, dass es Frauen gibt, die ihr Leben mit sich selbst vollkommen ausreichend finden und dabei - oh große Überraschung - glücklich sind? Wieso sind nach über zweihundert Jahren Emanzipation Frauen, die alleine leben, einsam und müssen gerettet werden, während Männer, die den gleichen Lebensstil pflegen als charismatische Junggesellen betitelt werden? 
Oh je, wer wirklich glaubt, dass wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben läuft wahrscheinlich sein Leben lang mit Tomaten auf den Augen durch die Gegend.

Ich bin keine scheiß Märchenprinzessin!

Ich lebe in keinem meterhohen Turm, in dem mich meine böse Stiefmutter gespertt hat. Ich habe keinen gläsernen Schuh verloren und schon gar nicht wurde ich mit einem Apfel vergiftet und nur der Kuss meiner wahren Liebe kann mich wieder aufwecken.
Ich muss nicht gerettet werden!

Tut mir einen Gefallen und versucht dieses Bild der holden Jungfrau in Nöten aus euren Köpfen zu vertreiben, denn - entschuldigung, am Telefon, es ist für euch - das 21. Jahrhundert ist dran. 
Natürlich möchte ich mit diesen Artikel nicht alle männlichen Wesen über einen Kamm scheren, denn ich möchte sowieso in keiner Welt leben, in der jeder dieses Frauenbild inne hat. Genauso wenig kann ich sagen, ob ich in einem, in drei oder in fünf Jahren immer noch dieses Leben in der Art führen werde. Aber wenn doch, dann ist es meine Entscheidung. Denn es ist mein Leben, das ich leben kann, wie ich es möchte.

Und gerade fühlt es sich verdammt gut an.

Samstag, 21. April 2018

Lesemonat Januar

Hi. Ich heiße Lisa und habe auch im Januar Bücher gelesen. Deswegen heißt dieser Beitrag folgerichtig "Lesemonat Januar". Herzlich Willkommen. Ich freu mich, dass ihr hier seid. Macht euch gemütlich, nehmt ein Stück Kuchen, denn es wird lang. Im Januar habe ich insgesamt elf Bücher gelesen, ein Ebook war dabei und es waren 4726 Seiten. 
Ein Jahreshighlight war bereits in diesem jungen Jahr dabei. Das kommt, wie immer, am Ende des Beitrags. 
Dann kann es ja jetzt losgehen. 
Das erste Buch aus dem Lesemonat Januar kommt von Betty Smith. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eigentlich ein Klassiker, wurde im Insel Verlag aber neu verlegt mit diesem wunderschönen Cover. Der Inhalt hat mich auch sofort angesprochen und ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Bekommen habe ich schließlich eine sogleich melancholische aber zugleich wunderschöne Geschichte über ein junges Mädchen namens Francie, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Brooklyn aufwächst. Trotz der vielen Steine, die ihr immer wieder in den Weg gelegt werden, bleibt Francie dran und geht ihren Weg weiter. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eine Geschichte, die zum Verweilen einlädt und eine, die man nicht so schnell vergessen wird. 
Das nächste Buch ist auch das einzige Ebook, das ich im Januar gelesen habe. Es kam von Ernest Cline. "Ready Player One" wurde bereits fürs Kino verfilmt und bevor ich mir den Film ansehen wollte, musste ich natürlich das Buch lesen. Und ich war wirklich sehr positiv überrascht. Cline hat mit seiner virtuellen Realität, die OASIS, eine unglaublich vielschichtige und großartige Science-Fiction Welt erschaffen, die wirklich Spaß gemacht hat. Genauso hat mir die permanente Hommage an die Popkultur der achtziger Jahre viel Freude bereitet, die jede Seite durchzogen hat. "Ready Player One" ist für jeden Science-Fiction Fan ein absolutes Muss. 
Weiter ging es im Januar mit dem neusten Werk von meinem japanischen Lieblingsautoren Haruki Murakami. Auf "Die Ermordung des Commendatore. Eine Idee erscheint" habe ich mich schon sehr lange gefreut. Die Geschichte um einen namenlosen Erzähler und Maler, der zunächst ziellos durch Japan reist und sich dann in dem abgelegenen Haus eines berühmten Künstlers niederlässt, um der Zivilisation zu entfliehen, hat mich dann auch unglaublich fasziniert. Obwohl Murakami eher ruhig erzählt, hat sich, während die Seiten nur so dahin flogen, eine große Intensität aufgebaut und ich wollte immer unbedingt wissen, wie es weiter geht. Das werde ich auch schon bald, da "Die Ermordung des Commendatore" der erste Teil einer Dilogie ist und ich schon sehr bald den zweiten Teil lesen werde. Zu diesem Buch gibt es auch eine Rezension von mir.
Das nächste Buch aus dem Lesemonat war der zweite Teil einer Reihe. "Lady Midnight", der erste Teil einer neuen Serie aus meinem Lieblingsschattenweltuniversum, hat mir unglaublich gut gefallen. Die ganzen Figuren habe ich sofort ins Herz geschlossen und natürlich auch für die Geschichte eine besondere Schwäche entwickelt. Leider muss ich sagen, dass der zweite Teil "Lord of Shadows" von Cassandra Clare nicht mithalten konnte. Ich hatte das Gefühl, dass die Handlung auch locker in die Hälfte der Seiten gepasst hätte und aus diesem Grund haben sich die Seiten sehr gezogen. Das Ende mit dem gewaltigen Cliffhangar hat mich dann aber doch wieder neugierig gemacht, so dass ich mir den dritten Teil auch holen werde.
Weiter ging es im Januar mit "Rattatatam, mein Herz. Vom Leben mit der Angst" von Franziska Seyboldt. Jeder sechste Deutsche erleidet im Laufe seines Lebens einmal eine Angststörung. Und doch ist dieses gesamte komplexe Thema immer noch ein großes Tabu in unserer Gesellschaft. In ihrem unglaublich mutigen und großartigen Buch nimmt die Autorin die Angst unter die Lupe. Es geht um ihre persönliche Erfahrungen, doch zugleich ist "Rattatatam, mein Herz" ein Mutmachbuch, das verändern will und das zumindest bei mir auch geschafft hat. Unglaublich wichtig und sehr lesenswert!
Im Januar gingen die Reihen weiter. Auch den zweiten Teil der Percy Jackson Reihe von Rick Riordan habe ich im Januar gelesen. "Im Bann des Zyklopen" hat mir genau wie der Auftakt unglaublich gut gefallen. Ich mochte den Humor und den actionreichen Handlungsstrang. Im zweiten Teil der Reihe macht sich Percy auf den Weg, um seinen besten Freund Grover aus der Gewalt eines Zyklopen zu befreien. Auch im Camp Half Blood geht es mal wieder drunter und drüber. Begleitet wird Percy bei seiner gefährlichen Reise von einem ganz besonderen Freund, der noch einen wichtigen Stellenwert in Percys Leben einnehmen wird. 
Apropo Reihe. Auch mit einer anderen ganz besonderen Reihe, von der ich schon eine ganze Menge im Vorfeld gehört habe, habe ich im Januar angefangen. Ich war sehr gespannt auf "Ich fürchte mich nicht" von Tahereh Mafi und das zu Recht. Der Autorin ist eine sehr gute Dystopie gelungen, die aber vor allem durch ihren besonderen Schreibstil sich von den anderen abhebt. Dystopien kann man schon fast nicht mehr neu erfinden, aber trotzdem ist "Ich fürchte mich nicht" zu einem ganz besonderen Reihenauftakt geworden, der Lust auf die kommenden Teile macht. 
Das nächste Buch aus dem Januar war eines dieser Bücher, das schon ewig auf meiner Wunschliste stand. "Im Herzen der Gewalt" von Edouard Louis schien eine ganz besonders intensive Geschichte zu sein. Das war sie auch. Zweifellos. Da es allerdings mein erstes Buch von dem Autoren war, musste ich mich dann auch erst einmal mit dem ganz besonderen Schreibstil von diesem anfreunden. Leider habe ich relativ schnell gemerkt, dass es mir dadurch nicht gelungen ist in die Geschichte hinein zu finden und mit ihr warm zu werden. Da "Im Herzen der Gewalt" dazu auch noch relativ wenige Seiten hatte, plätscherte die Geschichte an mir vorbei und konnte sich leider nicht bei mir festsetzen. 
Mein erstes Buch von Ray Bradbury war nicht das allseits bekannte "Fahrenheit 451", sondern "S is for Space", eine Science Fiction Kurzgeschichtensammlung, die teilweise wirklich irre Themen hatte. Natürlich waren einige Geschichten, so wie das bei Kurzgeschichten üblich ist, nicht unbedingt mein Ding aber genauso viele haben mich zugleich gut unterhalten. Wer auf klassische Science-Fiction steht, ist bei Ray Bradbury auf jeden Fall gut aufgehoben. 
Zum Schluss des Lesemonats kommt wie immer mein Highlight. "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" ist sogar schon ein Jahreshighlight geworden und das zu dieser frühen Zeit im Jahr. Aber für mich persönlich hat sich John Green in diesem Roman noch einmal übertroffen. Möglicherweise liegt es auch an der ganz persönlichen Komponente, die das Thema Zwangserkrankungen für mich inne hat, aber Green hat es geschafft dieses schwierige Thema sowohl sensibel, mit Humor und gleichzeitig mit einer Wichtigkeit zu nehmen, die beeindruckend war. Ein ganzes Buch, das beeindruckt und Mut macht und so verdammt wichtig ist. 

Das war er auch schon wieder. Mein sehr langer Lesemonat Januar. 
Ich wünsch euch einen schönen Abend. 

Lisa. 

Montag, 16. April 2018

/Filmrezension/ Ready Player One





Regisseur: Steven Spielberg

FSK: 12 Jahre 
Genre: Science-Fiction, Action
Länge: 2 Stunden, 19 Minuten
Starttermin: 05. April 2018








Wade Watts lebt in einer Art überdimensionaler Wohnwagensiedlung am Rande von Oklahoma City im Jahr 2045. Nach zahlreichen Wirtschafts- und Naturkatastrophen ist das Leben in der Realität ein einziger Kampf geworden. Aus diesem Grund verbringen die Menschen den Großteil ihrer Freizeit in einer virtuellen Realität, namens OASIS, in der die einzige Grenze die menschliche Fantasie darstellt. In der OASIS ist alles möglich und jeder darf der sein, der er will.
Als vor einigen Jahren der Gründer der OASIS, James Hallaway, starb, gab er ein unglaubliches Geheimnis preis. Irgendwo in seinem gewaltigen Universum der virtuellen Realität, versteckte er ein sogenanntes Easter Egg. Nach drei erfolgreich gelösten Rätseln soll der erste Finder des Easter Egg Hallaways Erbe werden und die Führung des gesamten OASIS Universums übernehmen. Lange Zeit tat sich im Wettbewerb überhaupt nichts, bis Wade, ein fanatischer Hallaway Verehrer, das erste Rätsel knackt und plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht...

Normalerweise gehe ich als große Skeptikerin ins Kino, wenn es heißt, dass eine literarische Science-Fiction Vorlage verfilmt werden soll, vor allem, wenn ich das Buch erst vor kurzem gelesen habe. Science-Fiction Welten sind vielschichtiger als normale Welten und so können die eigene Vorstellungskraft und die filmische Realität noch intensiver kollidieren, als sie es ohnehin bei filmischen Literaturadaptionen regelmäßig tun. 
Doch Steven Spielberg ist mit der Verfilmung von Ernest Clines Roman "Ready Player One" etwas Erstaunliches gelungen. Er hat die OASIS lebendig gemacht. Er hat es geschafft die virtuelle Realität für den Kino-Zuschauer zugänglich zu machen. Zugleich ist es ihm gelungen einen guten Kompromiss bei der Frage zu finden, wie die Handlung im Buch auf die Filmleinwand gebracht werden sollte, was wohl vor allem daran lag, dass der Autor des Romans selbst am Drehbuch mit geschrieben hat. Und zum Schluss hat er das vollbracht, was "Ready Player One" zum großen Teil ausgemacht hat. Spielberg hat die Hommage an die Filme, Serien, Musik und Videospiele, also an die Popkultur der achtziger Jahre, die jede Seite von Clines Roman durchzieht, so charmant und fast schon perfekt in die filmische Version umgesetzt, dass ich mich mehr als einmal dabei erwischt habe, wie ich grinsend die Handlung des Films verfolgt habe. Wer sich also einigermaßen in den Achtzigern auskennt, wird bei "Ready Player One" voll auf seine Kosten kommen. Wer eine besondere Schwäche für dieses Jahrzehnt hat, der wird diesen Film lieben. 
Auch die Besetzung, die zum Großteil eher unbekannt war, war hervorragend gewählt. Gerade die Hauptfigur, verkörpert durch den Schauspieler Tye Sheridan, spielte den Charakter Wade Watts detailgetreu und authentisch. Aber auch die Nebenfiguren haben ihre Sache sehr gut gemacht. 
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Verfilmung von "Ready Player One" etwas geschafft hat, was nur sehr wenige Literaturverfilmungen vor ihr geschafft haben: Sie ist ihrer Vorlage gerecht geworden. Spielberg hat keinesfalls versucht Clines Roman bloß stumpf nachzuerzählen. Er hat Handlungselemente übernommen, allerdings auch da verändert, wo es nötig gewesen war. Das führte übrigens auch zu meiner absoluten Lieblingsszene, die sich größtenteils in einem sehr berühmten Hotel abgespielt hat. Was es mit dieser Szene auf sich hat, müsst ihr schon selbst herausfinden.
Auf ins Kino! 

Sonntag, 15. April 2018

Laetitia Colombani - Der Zopf






Verlag: S.Fischer 
Erschienen: 21. März 2018
Seiten: 288
Preis: 20 Euro (Ebook: 16.99 Euro)







Smita lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in einem kleinen indischen Dorf. Sie träumt von einem anderen Leben für ihre Tochter und kämpft wie verbissen darum, diesen Traum zu verwirklichen.
Sarah lebt in Kanada und ist eine erfolgreiche Alleskönnerin. Sie ist sowohl leidenschaftliche Anwältin, als auch Mutter und meistert ihr Leben mit einem Perfektionismus, der beeindruckend ist. Bis zu dem Tag, der alles verändert.
Guilia arbeitet in der Fabrik ihres Vaters in Sizilien, die seit mehreren Generationen aus sizilianischen Haaren Perücken anfertigt. Guilia liebt ihr Leben genauso wie es ist und möchte, dass es immer so bleibt, bis die Familie plötzlich ein Schicksalsschlag ereilt. 

Drei unterschiedliche Frauen.
Drei Leben.
Drei Welten. 
Drei Kontinente.
Zunächst scheinen Laetitia Colombanis Protagonistinnen in "Der Zopf" nichts gemeinsam zu haben. In ihren unterschiedlichen Welten scheinen gemeinsame Anknüpfungspunkte fast unmöglich zu sein. Doch Colombani ist mit ihrem Debütroman wahrhaftig ein kleines Kunststück gelungen. Zuerst noch lose, verknüpft sie immer mehr die einzelnen Handlungsstränge dieser drei besonderen Frauen miteinander, so dass sich plötzlich doch gemeinsame Berührungspunkte ergeben und natürlich wird an dieser Stelle auch deutlich, woher die Geschichte ihren Namen bekommen hat. Das Verknüpfen wirkt in der Hinsicht, dass die Autorin einen erzählerischen Zopf flechtet, der immer dichter wird.
Doch neben dieser besonderen Erzählweise stehen natürlich ihre Figuren. Alle drei Frauen meistern ihr Leben auf ganz unterschiedliche Weisen und haben plötzlich mit besonderen Vorkommnissen zu tun, die ihr bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen. Man bewundert Colombanis Protagonistinnen, weil sie unfassbar stark sind und sich niemals von ihren Zielen abbringen lassen. Durch die starken Persönlichkeiten der Figuren, erkennt man schnell die eigentliche Intention dieses Buches, die ebenso wunderbar ist, wie die Geschichte: Wir Frauen können alles, was wir uns vornehmen, auch erreichen und weder gesellschaftliche, noch persönliche Grenzen werden uns aufhalten können. Und wir sind sogar noch stärker, wenn wir uns zusammentun und die Kraft der Gemeinschaft erkennen. Auch wenn wir es nicht sehen, das Band, das wir knüpfen, wird niemals zerreißen. 
Colombanis Figuren leben die Botschaft ihrer Geschichte auf jeder einzelnen Seite. Obwohl "Der Zopf" in Relation wenige Seiten hat, wird hier trotzdem eine gewaltige, eine großartige und vor allem eine wichtige Geschichte erzählt. Und auch das, was zwischen den Zeilen steht, ist so wichtig, wenn nicht sogar am wichtigsten: In "Der Zopf" geht es um Frauen, die in vielen Teilen der Welt immer noch keinerlei Recht besitzen über ihr eigenes Leben zu bestimmen. Es geht um Ausgrenzung in gesellschaftlichen und persönlichen Bereichen von Frauen, die als selbstverständlich angesehen werden und auch in der Realität in dieser Form immer und immer wieder statt finden. Es geht um das Brechen mit Traditionen für ein höheres Ziel. 
Colombani legt ihren Protagonistinnen immer wieder Steine in den Weg, weil die Welt da draußen eben so ist. Auch wenn wir uns das immer wieder einreden, leben wir in keiner gleichberechtigten Gesellschaft und genau diesen Punkt hält die Autorin in ihrem Roman der Welt vor. Doch so, wie sie ihren Figuren Steine in den Weg legt, stemmen diese die Steine immer wieder weg und gehen konsequent ihren Weg weiter. 
"Der Zopf" ist ein unglaublich beeindruckendes und besonderes Buch geworden. Eine Geschichte, die aufrüttelt und hoffentlich auch verändert. Und eine Geschichte, die zeigt, dass man alles schaffen kann, wenn man nie den Glauben an die eigene Persönlichkeit und Stärke verliert. 

Donnerstag, 12. April 2018

Assaf Gavron - Achtzehn Hiebe




Verlag: Luchterhand
Seiten: 417
Erschienen: 26. Februar 2018
Preis: 22 Euro (Ebook: 17.99 Euro)





Eitan Einoch, Mitte Vierzig, ist Taxifahrer in Tel Aviv. Jeden Tag erzählt Eitan seinen Fahrgästen bestimmte Anekdoten aus seiner Heimatstadt, wenn er sie zu ihrem Ziel bringt. Es gibt aber auch Tage, da wird Eitans eigene Geschichte ans Tageslicht befördert, meistens, wenn er von seinen Fahrgästen erkannt wird, als derjenige, der in einer Woche drei Terroranschläge überlebt hat. 
Doch alles ändert sich an dem Tag, an dem eine rüstige Seniorin, namens Lotta Pearl in Eitans Taxi steigt und die ungewöhnliche Bitte hervorbringt ab jetzt jeden Tag die Fahrt zum Friedhof mit Eitan machen zu wollen. 
Auf diese Weise erfährt Eitan von einer fast siebzig Jahre zurückliegenden Liebesgeschichte zwischen einem britischen Soldaten und Lotta, dessen Grab sie regelmäßig besuchen will. Zunächst geht Eitan von einer Liebe aus, die über dem Tod hinaus Bestand hat, bis zu dem Tag, an dem Lotta Eitan von ihrem Verdacht erzählt, dass ihre große Liebe möglicherweise einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist und den Taxifahrer beauftragt den Mörder zu finden...

"Achtzehn Hiebe" von Assaf Gavron gehört zu diesen Geschichten, von denen man durch Zufall hört und die man aber umso intensiver lesen möchte. Als ich die Inhaltsbeschreibung des Buches vor mir liegen hatte, war mir klar, dass ich um diese Geschichte nicht herumkommen werde und nach der Lektüre hat es sich sehr gelohnt.
Assaf Gavrons Geschichte ist besonders durch und durch. Es ist eine Hommage an die Heimatstadt des Autoren, Tel Aviv, die vor allem durch seine Hauptfigur verkörpert wird. Der Taxifahrer Eitan kennt zu jeder noch so kleinen Begebenheit in Tel Aviv mindestens eine Geschichte oder Anekdote. Die besondere Beziehung zu seiner Heimatstadt schimmert durch jede Zeile hindurch und es bereitet wirklich Freude Eitan bei seinen zahlreichen Fahrten durch Tel Aviv zu begleiten. Die eigentliche Handlung kommt dabei an keiner Seite zu kurz. "Achtzehn Hiebe" lebt vor allem von der Liebesgeschichte zwischen einem britischen Soldaten und des jüdischen Mädchens aus längst vergangenen Zeiten, die nach und nach ein immer deutlicheres Bild ergibt, aber vor allem auch durch die besonderen Charaktere, die in der Geschichte auftreten. Da wäre einmal der bereits erwähnte Eitan, ein geschiedener und liebender Vater, der plötzlich mit Mitte Vierzig wieder sich selbst finden muss und dann natürlich Lotta, die bereits zum Anfang mit einem eigenen und wunderschönen Zitat die Handlung im Buch eröffnet. Lotta bewohnt ein Zimmer im Seniorenheim und tritt mit der ungewöhnlichen Bitte an Eitan heran, dass er sie jeden Tag mit dem Taxi zum relativ weit entfernten Friedhof bringen soll, damit Lotta einen lange verflossenen Liebhaber, der vor kurzem gestorben ist, besuchen kann. 
Aus diesem Ausgangsszenario entwickelt sich eine ungewöhnliche und gut konstruierte Handlung, die irgendwo zwischen Detektivroman, der Geschichte Israels und Liebesgeschichte anzusiedeln ist. Gut konstruiert ist die Handlung aus diesem Grund, weil ich nie wusste, wen von den handelnden Personen wirklich zu trauen ist. Sogar Lotta, die man zu Beginn eigentlich nur ins Herz schließen konnte, tauchte mehr als einmal auf meiner Liste der Verdächtigen auf.
Mit "Achtzehn Hiebe" ist dem Autoren Assaf Gavron eine sehr unterhaltsame Geschichte gelungen. Er nimmt uns mit auf eine Tagestour durch seine Heimatstadt, erzählt von Liebe, Schuld, Verrat und Verbrechen und erschafft sympathische und liebenswürdige Figuren und schafft es dabei nie ins Dramatische oder Kitschige abzurutschen. 
Ein gelungenes Buch. 

Mittwoch, 4. April 2018

Cath Crowley - Das tiefe Blau der Worte





Verlag: Carlsen
Seiten: 400
Erschienen: 21. März 2018
Preis: 17.99 Euro (Ebook: 12.99 Euro)



Rachel und Henry sind beste Freunde. 
Oder waren es einmal vor mehreren Jahren, bis Rachel mit ihrer Mutter und ihren Bruder aus der Kleinstadt weggezogen ist und sich nicht von Henry verabschiedete und den Kontakt auch danach abbrechen ließ.
Henry ist der Überzeugung, dass Rachel ihn vergessen hat. Doch das Leben lässt sich nicht immer in schwarz und weiß unterteilen, so wie Henry vielleicht denkt. Rachel hatte jede Menge Gründe für ihr Verhalten und dabei spielt nicht nur ein unbeantworteter Liebesbrief eine entscheidende Rolle. 
Doch jetzt ist Rachel zurück in der Stadt und fängt auch wieder in der Buchhandlung an zu arbeiten, die Henrys Familie gehört und die früher Rückzugsort und zweites Zuhause zugleich für Rachel war. 
Rachel ist sich sicher, dass die Zeit ihre Gefühle für Henry ausradiert hat, doch heilt Zeit wirklich alle Wunden?

Was für eine wunderschöne Hommage an das geschriebene Wort!
Was für eine tiefsinnige und melancholische Liebeserklärung an die Literatur!
Spätestens, nachdem ich die Inhaltsbeschreibung von "Das tiefe Blau der Worte" von Cath Crowley gelesen hatte, wusste ich, dass ich diese Geschichte lesen musste. Ein Buch, das größtenteils in einer Buchhandlung spielt und zwei Literaturliebende als Protagonisten vorstellt, eigentlich schien "Das tiefe Blau der Worte" für jeden Bücherliebhaber ein absolutes Muss-Buch zu sein. 
Und das nicht ohne Grund.
Aus jeder einzelnen Seite von Cath Crowleys Werk schimmert die unbändige und niemals endende Literaturliebe durch, die wir alle so gut kennen und nachvollziehen können. Doch die Autorin geht noch weiter und baut einen einfach nur wunderschönen erzählerischen Aspekt mit Hilfe der Literatur in ihrer Geschichte ein, den ich am liebsten noch heute Beifall spenden möchte.
Es ist schön etwas zu lesen, das nicht nur eine besondere Geschichte erzählt, sondern mit Hilfe des eigenen Mediums Literaturliebe in jeder Zeile feiert. Mit jeder weiteren gelesenen Seite wanderten scheinbar immer mehr Bücher auf meine Wunschliste, da Crowley in ihrem Werk so viele Titel nennt, dass man eigentlich schon eine eigene "Das tiefe Blau der Worte"-Bücherwunschliste eröffnen könnte. 
Doch natürlich ist das vorliegende Werk nicht nur Bücherliebe. Cath Crowley hat das Kunststück vollbracht eine tiefgehende und melancholische Geschichte zu erzählen, dabei unglaublich sympathische und liebenswürdige Figuren zu erschaffen und das Ganze auch noch an einem Ort spielen zu lassen, an dem man am liebsten sofort hinziehen möchte. 
Ich habe in letzter Zeit selten etwas gelesen, das so rundum gelungen war, wie dieses Buch. Trotz seiner vielen traurigen erzählerischen Aspekte, besitzt "Das tiefe Blau der Worte" einen fast schon einzigartigen Wohlfühlcharakter, der es zu etwas ganz Besonderem macht. Von "Hach ja"-Momenten, Gänsehaut, wissendem Lächeln und Momenten, in denen man über das eigene Leben nachdenkt, bietet dieses Buch seinen Leserinnen und Lesern die gesamte emotionale Palette an Lesegefühlen an und schafft es dabei an keiner Stelle kitschig zu sein.
Man merkt, hier liest man weniger Beurteilung als viel mehr Schwärmerei, doch "Das tiefe Blau der Worte" ist eines dieser Bücher, die man am liebsten jeden in die Hand drücken möchte, weil man das Gefühl hat, dass diese Geschichte die Welt ein Stück besser machen könnte, wenn nur möglichst viele Menschen sie lesen. Gleichzeitig wirkt es so, als würde es ein bestimmtes Geheimnis nur mit dir alleine teilen. Es geht um dieses einzigartige Gefühl, wenn man eine Buchhandlung betritt und der sicheren Überzeugung ist, dass hier eine Geschichte auf dich wartet, die nur für dich bestimmt ist. 
Ein Gefühl, das jeder Bücherliebhaber kennt und das doch für jeden besonders und für jeden allein bestimmt ist. 
Wenn ihr das nächste Mal in der Buchhandlung so einen Schatz sucht, "Das tiefe Blau der Worte" ist vielleicht genau das Richtige für euch.
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