Freitag, 9. Dezember 2016

Lesemonat November

Herzlich Willkommen zu meinem etwas verspäteten Lesemonat November. 
Im vergangenen Monat habe ich meine obligatorischen neun Bücher gelesen, wobei eines ein Ebook gewesen ist. Insgesamt waren es 3603 Seiten.
Dann haben wir ja jetzt die Fakten, ich würde sagen: Los geht's!
Der Lesemonat beginnt mit dem ersten Teil der 'Raven-Boys' Reihe "Wen der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater. Auf diese Reihe war ich schon sehr lange sehr gespannt, weil ich zum Teil unterschiedliche Meinungen zu den Büchern gehört habe. Die positiven Meinungen waren aber dann so euphorisch, dass ich mir nun unbedingt meine eigene Meinung bilden wollte. Der Einstieg in das Buch fiel mir auf den ersten hundert Seiten noch etwas schwer, aber dann kann ich nur mit einem Wort meinen Gemütszustand, während der restlichen 360 Seiten, beschreiben: fasziniert. Als ich durch das Thema endlich durchgestiegen bin, konnte ich das Buch nur noch schwer weglegen. "Wen der Rabe ruft" ist mystisch, geheimnisvoll und voller Fantasie. Wir begleiten die Hauptfiguren auf einer ganz speziellen Suche und betreten Orte, die beweisen, dass die Autorin einen ganz eigenen Sinn für fantastische Orte hat. Der zweite Teil wartet bereits im Bücherregal, ich freue mich schon auf die Fortsetzung. 
Weiter ging es im November mit dem dritten Band einer Reihe, die mich schon das ganze Jahr begeistert hat. "Erbin des Feuers" gehört zur 'Throne of Glass' Serie von Sarah J. Maas und musste unbedingt noch vor dem Erscheinen des vierten Bandes, der ebenfalls letzten Monat erschien, gelesen werden. Und auch der dritte Teil konnte mich wieder überzeugen, ich würde sogar behaupten, dass die Autorin sich mit jedem Band gesteigert hat. Nachdem der Vorgänger mit einem fiesen Cliffhanger endete, begleiten wir die wirklich besondere Hauptfigur Celaena bei ihren neuen Abenteuern, die sie in ein anderes und besseres Leben führen sollen. Die 'Throne of Glass' Reihe gehört für mich zu den besten High Fantasy Serien, die es zu lesen gibt und ich habe mir den vierten Band auf jeden Fall noch bis zum Ende des Jahres vorgenommen. Ich muss ja noch fertig werden, bis das Ganze dann als Fernsehserie adaptiert wird. 
Das nächste Buch war ein ganz Besonderes für mich persönlich, da es zu den Büchern gehört, die wehtun und die man doch nicht aus der Hand legen kann. "Meinen Hass bekommt ihr nicht" stammt von dem Journalisten und Autoren Antoine Leiris, der seine Frau bei den Paris Attentaten vom 13. November 2015 verloren hat und nun den gemeinsamen, erst wenige Monate alten Sohn alleine großziehen muss. Vor allem bekannt wurde er durch den gleichnamigen Brief, den er kurz nach dem Terroranschlag veröffentlicht hat und den Terroristen seinen Hass und seine Wut auf sie verwehrt. Aus diesem Brief heraus erzählt er nun in diesem Buch auf berührende Weise, wie sein Leben kurz nach dem Tod seiner Frau und auch in der Zeit darauf, aussah und wie er seinen Sohn beibringen musste, dass seine Mutter nicht mehr zurückkommt. Gänsehaut und Tränen in den Augen, das beschreibt mehr als gut meine Gefühle, während des Lesens. Ein zwar kleines aber dennoch großes und wichtiges Buch.
Weiter ging es im November mit einem Buch, das mich ebenfalls auf verschiedene Arten und Weisen berührt hat. "Wie ein Fisch im Baum" erzählt die Geschichte der elfjährigen Ally, die schon seit langer Zeit ein Geheimnis hütet. Sie kann weder lesen noch schreiben. Aus diesem Grund gilt Ally, in ihrer Klasse, als Einzelgängerin. Sie traut sich nicht sich auch nur einen Menschen anzuvertrauen, weil sie sich schämt. Bis zu dem Tag, als Ally einen neuen Lehrer bekommt. Mr. Daniels erkennt welches Potenzial in seiner Schülerin steckt und bleibt so lange dran, bis sich Ally ihm endlich anvertraut. Dabei bemerkt Ally, dass es gar nicht so schlimm ist die Wahrheit zu sagen und etwas Besonderes zu sein. Sie ist Legasthenikerin, verfügt aber über eine große Intelligenz und Mr. Daniels zeigt Ally, wie sie ihre Stärken richtig einsetzen kann. "Wie ein Fisch im Baum" ist ein absolutes Monatshighlight. Ein tolles Buch über ein noch tolleres Kind, das auch für angehende Lehrer eine wertvolle Lektüre ist. 
"Frigid" von Jennifer L. Armentrout gehörte zu meiner Messe-Ausbeute. Zu der Art von Messe-Ausbeute, die ich unbedingt aber wirklich unbedingt haben musste. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, muss ich aber leider sagen, dass die Geschichte dabei nicht mithalten konnte. Eigentlich liebe ich ihre New-Adult Romane, die man vor allem unter ihrem Pseudonym J.Lynn kennt. Sie sind dramatisch, gefühlvoll und voller Emotionen. "Frigid" war mir aber einfach zu vorhersehbar, die ganze Geschichte war einfach zu stereotypisch. Die Figuren wirkten wie gewollt, aber nicht gekonnt. Möglicherweise liegt es an der Tatsache, dass "Frigid" zu den ersten Büchern gehört, die Jennifer L. Armentrout in diesem Bereich geschrieben hat und sie sich erst ausprobieren musste. Ich denke, ich werde es dann spontan entscheiden, ob ich die weiteren Bücher aus der Reihe auch lesen werde, oder doch viel mehr wieder auf die 'Wait for you' Serie ausweiche. 
Weiter ging es mit dem neuen Buch von Colleen Hoover, das eigentlich gar kein Buch werden sollte. "Too late" hat sie, nach eigenen Aussagen, immer nebenbei geschrieben, wenn sie ihre anderen Bücher verfasst hat. Vom Genre unterscheidet es sich komplett von ihren anderen Werken, es ist düster, es ist voller Gewalt und es ist trotz allem wieder sehr gut geschrieben. Auch wenn mir der Einstieg schwer fiel und ich erst mit den Figuren warm werden musste, habe ich das letzte Drittel des Buches mal wieder mehr inhaliert, als gelesen. Man soll sich aber noch einmal vergegenwärtigen, dass sich die Geschichte wirklich von dem, was man sonst von Colleen Hoover liest, unterscheidet. Trotzdem ist sie sehr, sehr lesenswert. 
Das nächste Buch kam von Kevin Sands und ist der erste Teil der Blackthorn Code Reihe. "Das Vermächtnis des Alchemisten" soll eigentlich dem Genre 'Kinderbuch' zugeschrieben werden, ich würde es aber nicht wirklich als Kinderbuch bezeichnen. Mit einer mysteriösen Mordserie, die der Protagonist im London der frühen Jahre, aufklären muss, gehört der Blackthorn-Code wohl eher in den Jugendbuchbereich. Trotz allem ist es eine wirklich sehr lesenswerte Geschichte geworden. Die Charaktere sind liebenswert und die Rätsel und Codes, die der Protagonist, während der Handlung, lösen und knacken muss, geben der ganzen Geschichte noch einmal die nötige Würze. Wer sich nun ebenfalls in die Abenteuer, rund um das Vermächtnis des Alchemisten, stürzen will und noch etwas unsicher ist, für den habe ich eine Rezension zu dem Auftakt geschrieben. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Fortsetzung.
Kommen wir nun zum Schluss zu zwei Büchern, die zu meinen absoluten Jahreshighlights gehören. Zwei Büchern, von denen ich das wohl am allerwenigsten erwartet hätte. "Flawed - Wie perfekt willst du sein?" gehört ebenfalls zu meiner Buchmesse-Ausbeute. Wenn ich ehrlich bin aber gerade nur deswegen, weil die Autorin Cecilia Ahern dort eine Autogrammstunde gegeben hat und ich mir gedacht habe, dann kann ich ja auch das Buch mitnehmen. Zum Glück habe ich das getan. Denn "Flawed" ist eine großartige Dystopie geworden, die, entgegen aller Meinungen, für mich zumindest ein durchaus neues Thema enthält. In Celestines Welt gilt das wichtigste Ideal, nach dem es sich zu streben lohnt, die Perfektion. Die sogenannte Gilde will eine perfekte Gesellschaft erschaffen, in der jeder noch so kleine Fehler vermieden und jeder noch so kleiner Makel ausgemerzt werden soll. Und Celestina gilt als Perfektion in Person, bis zu dem Tag, an dem sich ihr Leben komplett ändert. 
Celestina kann einfach nicht verstehen, warum sie sich falsch verhalten haben soll, nur weil sie einem Mitmenschen helfen wollte. 
Mit ihrem dystopischen Zweiteiler, der sich mehr im Jugenbuchbereich ansiedelt, hat Cecilia Ahern einen kompletten Genrewechsel vollzogen. Eigentlich kennt man sie ausschließlich von ihren Liebesromanen mit den blauen Covern und vor allem von ihrem erfolgreichen Debütroman "P.S. Ich liebe dich". Genrewechsel von Autoren finde ich generell sehr interessant, vor allem, wenn das dann noch so gut gelingt wie in diesem Fall. Als dann Mitte November der zweite Teil "Perfect - Willst du die perfekte Welt?" erschien, konnte ich nicht schnell genug in der Buchhandlung sein. Wie erwartet konnte auch der Nachfolger mit dem Vorgänger mithalten und auch das Ende hat mir sehr gut gefallen. Jeder, der Dystopien mag, sollte die beiden Bücher unbedingt lesen und für jeden, der Dystopieliebhaber werden möchte, könnten das die perfekt unperfekten Einstiegsbücher sein. Für mich auf jeden Fall echte Jahreshighlights. 

Das war er dann auch schon wieder. Der Lesemonat November. 
Wie sieht es bei euch aus? Was habt ihr gelesen? Vielleicht sogar dieselben Bücher? War etwas für die Wunschliste dabei? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. 
Somit bleibt mir nur noch euch allen ein schönes Wochenende zu wünschen.

Eure Lisa. 

Donnerstag, 8. Dezember 2016

B.A. Paris - Saving Grace-Bis dein Tod uns scheidet





Verlag: blanvalet
Seiten: 349
Erschienen: 21. November 2016
Preis: 9.99 Euro (Ebook: 8.99 Euro)







Grace ist jung, schön, frisch verheiratet und scheint das perfekte Leben zu führen. Ihr gut aussehender Ehemann Jack ist ein erfolgreicher Anwalt, der sich für die Rechte misshandelter Frauen einsetzt und schenkt Grace zur Hochzeit ihr absolutes Traumhaus, das genau nach ihren Wünschen entworfen wurde. 
Die beiden geben regelmäßig Dinner-Partys für ihre Freunde und Bekannten und scheinen sich einfach gesucht und gefunden zu haben.
Manchmal aber scheint die perfekte Idylle zwischen Grace und Jack ein bisschen zu perfekt zu sein.
Warum umgibt beispielsweise ein meterhoher Zaun das Haus der beiden?
Und warum sind überall Stahlrolladen angebracht worden, so dass das gesamte Anwesen mehr wie eine Festung, als wie ein Traumhaus wirkt?
Immer, wenn man Grace auf diese Merkwürdigkeiten bezüglich ihres Eigenheims anspricht, scheint immer Jack zur Stelle zu sein, um an ihrer Stelle zu antworten. Und überhaupt wirkt es so, dass Grace nirgendwo alleine ist. Jack ist immer in der Nähe und in Hörweite. 
Aber bestimmt bilden wir uns das alles nur ein, denn bei so einem perfekten Paar wie Jack und Grace muss doch einfach alles stimmen...oder?

Mit "Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" hat die Autorin B.A. Paris ihren Debütroman vorgelegt. Dabei ist ihr ein unglaublich spannender und subtiler Psychothriller gelungen, den ich mehr inhaliert, als gelesen habe. In "Saving Grace" ist nichts so, wie es scheint. Die Hauptfigur Grace scheint das perfekte Leben zu führen, ein Leben, das irgendwie zu perfekt scheint.
Gerade der Beginn des Romans ist der Autorin perfekt gelungen und das ist vor allem dem Erzählstil zuzuschreiben. Indem abwechselnd die Gegenwart und die Vergangenheit der Protagonistin beschrieben wird, wird Seite um Seite immer deutlicher, dass in der Beziehung zwischen Jack und Grace irgendetwas nicht stimmen kann. Die Zeitsprünge in den Kapiteln zeigen aber auch, dass die erste Begegnung der beiden tatsächlich einem Märchen gleichkommt, einem Märchen, das sich nach und nach in einem Albtraum verwandelt. 
Dabei ist Grace nicht wirklich die typische Hauptfigur, die von einem Mann 'gerettet' werden müsste. Sie hat einen ausfüllenden Beruf und kümmert sich rührend um ihre Schwester Millie, die unter dem Down-Syndrom leidet und die Grace's wichtigster Mensch im Leben ist. Allein ihr Glaube an die große Liebe veranlasst sie dazu sich kopfüber in die Beziehung mit Jack zu stürzen, auch wenn ihr schon in dieser frühen Phase einige seltsame Dinge hätten auffallen müssen.
Die Spannung um Grace's ausweglose Situation wird zwar langsam aber stetig aufgebaut. Allerdings hat man, während der gesamten Lektüre, dieses komische Gefühl im Bauch, das man nur hat, wenn man weiß, dass der große Knall in der Handlung noch kommen wird. Und der kam dann zum Schluss. 
Das Ende von 'Saving Grace' war, wie der Anfang, sehr gut konstruiert. Wieder einmal wird der Leser lange im Unklaren gelassen, bis sich das Ganze mehr als zufriedenstellend auflöst, zumindest meiner Meinung nach. 
'Saving Grace' ist ein kurzweiliger, sehr guter Psychothriller geworden, der ganz ohne Blut auskommt. Ein Thriller, der alles halten konnte, was er vorab versprochen hat und der auch sehr viel Lust auf alles macht, was von der Autorin noch kommen wird. 

Dienstag, 6. Dezember 2016

Traci Chee - Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna, Band 1)






Verlag: Carlsen
Seiten: 478
Erschienen: 25. November 2016
Preis: 17.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)







Seit Sefias Eltern gestorben sind, ist ihre einzige Bezugsperson ihre Tante Nin. Schon immer zogen die beiden durch das Land und kämpften ums Überleben, auf der Flucht vor einem, für Sefia, unbekannten Verfolger. 
Doch dann wird Nin plötzlich entführt und von einem auf den anderen Moment steht Sefia alleine da. Die einzige Spur zu ihrer Tante ist ein geheimnisvoller Gegenstand, den Sefia schon ewig in ihrem Rucksack dabei hat. Genau genommen handelt es sich um ein Buch, ein scheinbar nutzloses Utensil in Sefias Welt, in der niemand von der Existenz geschriebener Worte ahnt. 
Fest entschlossen Nin aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien, lenkt Sefia zum ersten Mal ihre volle Aufmerksamkeit auf das Buch und erkennt schnell, dass es eine gewaltige, geheimnisvolle und magische Kraft besitzt. Eine Kraft, die Sefia nur dann vollends entschlüsseln kann, indem sie sich auf eine gefährliche Reise begibt. 
Eine Reise voller Abenteuer und Verfolgern, von der es möglicherweise keine Wiederkehr gibt. 
Doch zum Glück hat Sefia einen Gefährten dabei. Ein stummer junger Mann, der ihr treu zur Seite steht, aber selbst voller Geheimnisse steckt. 

Im ersten Buch von Kelanna "Ein Meer aus Tinte und Gold" entführt uns die Autorin Traci Chee in eine Welt, die bücherliebenden Menschen im ersten Moment wie ein Albtraum vorkommen muss, einer Welt ohne das geschriebene Wort. Obwohl ein geheimnisvolles Buch die Hauptrolle in der Geschichte spielt, wissen die Menschen nicht, dass Wörter aufgeschrieben werden können, dass sie eine Bedeutung besitzen. 
Der zweite Blick in Sefias Welt ist dann aber schon wieder weniger angsteinflößend, denn keine Bücher bedeuten dort keineswegs keine Geschichten. Ganz klassisch werden dort Geschichten weiter erzählt und zwar so lange, bis sie jeder auswendig kann und sie folglich über einen langen Zeitraum Bestand haben. 
Zudem gibt es eben noch Sefia, die Protagonistin des Buches. Ein junges Mädchen, das schon früh in ihrem Leben gezwungen wurde zur Überlebenskünstlerin zu werden und nun Gerechtigkeit für die grausamen Taten will, die ihrer Familie angetan wurden. Mit den geheimnisvollen Buch, das die einzige Spur zu ihrer Tante darstellt, bringt sie dann doch das geschriebene Wort in ihre Welt und damit auch jede Menge Magie und Gefahren. Begleitet wird sie von einem Jungen, den sie zunächst nicht allzu viele Sympathien entgegen bringen wollte, aus Angst ihn in Gefahr zu bringen, mit dem sie aber dann doch eine besondere Freundschaft teilt. 
Und das war auch gut so, denn die beiden stürzen sich in gefährliche Abenteuer, in der man einen Freund an seiner Seiten haben sollte.
Obwohl das Buch zwischendurch einige Längen hatte, war ich am Ende doch sehr froh Sefia begleiten zu dürfen, denn sie erlebt zusammen mit dem Jungen, den sie Archer nennt, jede Menge spannende und mysteriöse Abenteuer, die das Rätsel um das geheimnisvolle Buch immer wieder neu anheizen. 
Auch der Erzählstil hat mir dabei besonders gut gefallen, da die einzelnen Kapitel immer wieder aus der Sicht von verschiedenen Figuren erzählt werden. Mal ist es Sefia selbst, mal ist es aus Archers Sicht und manchmal wird die Geschichte auch von Kapitän Lees erzählt, einer wirklich tollen Figur, die man unbedingt kennen lernen sollte. 
Normalerweise erwähne ich die Gestaltung eines Buches höchstens am Rande, weil es eigentlich immer um die Geschichte gehen sollte, aber hier muss ich einfach mal eine Ausnahme machen. Geschwärzte Wörter, verblichene Zeilen oder angebranntes Papier, all das findet der Leser im ersten Buch von Kelanna und es verstärkt den Eindruck noch einmal, dass er sich auf einer besonderen Reise befindet, die ein längst gehütetes Geheimnis ans Licht bringen wird. 
"Ein Meer aus Tinte und Gold" ist voller Fantasie, Geheimnisse und interessanter Figuren, die dich plötzlich auf ein Piratenschiff ziehen können, um dich auf eine Reise zum Ende der Welt mitzunehmen. Obwohl es ein paar Längen hat und der rote Faden in der Geschichte vom Leser das ein oder andere Mal ganz festgehalten werden muss, damit er nicht verloren geht, hat es mir, als begeisterte Leserin, in der Welt ohne das geschriebene Wort, gefallen und ich freue mich schon darauf, wenn ich zurückkehren darf. 

Hier geht es zum Buch

Montag, 21. November 2016

Lynda Mullaly Hunt - Wie ein Fisch im Baum





Verlag: cbt
Seiten: 300
Erschienen: 31. Oktober 2016
Preis: 12.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)








Die elfjährige Ally gilt in ihrer Schule als Einzelgängerin. Mehrmals in der Woche wird sie zur Rektorin geschickt, weil auch ihre Lehrer nicht mit ihr zurechtkommen. Dabei will Ally nur um jeden Preis ihr Geheimnis vor den Lehrern, und auch vor ihren Mitschülern in der Klasse, bewahren und zwar, dass sie weder lesen noch schreiben kann. Sie schämt sich furchtbar, hält sich selbst für eine Versagerin und will sich niemandem anvertrauen. 
Doch plötzlich ändert sich alles, als Ally einen neuen Klassenlehrer bekommt. Mr. Daniels schickt sie nicht zur Rektorin, obwohl Ally ihn am Anfang genug Gründe dafür liefert.
Nach und nach gelingt es Mr. Daniels dann doch ihr Vertrauen zu gewinnen und er findet heraus, dass die hochintelligente Ally Legasthenikerin ist. Endlich begreift Ally, dass es gar nicht so schlimm ist aus der Masse heraus zu stechen und etwas Besonderes zu sein.
Gemeinsam mit ihren neuen Freunden Keisha und Albert setzt sie schließlich sogar die mobbende Klassenkönigin Shay schachmatt...

"Jeder ist auf seine Weise klug. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, er sei dumm."

Immer mehr habe ich mich, in meiner Begeisterung für das geschriebene Wort, der Suche verschrieben besondere Bücher zu finden. Diese Bücher, die ganz sicher nicht auf irgendwelchen Bestsellerlisten stehen, sondern die irgendwo in der Ecke im Buchregal warten und die man nicht sofort registriert.
Möglicherweise geht man auch an ihnen vorbei, weil man den zweiten Blick dann doch nicht riskiert. Und das ist so furchtbar schade, fast schon traurig, denn so fallen viele wundervolle Geschichten durch das Raster. Geschichten, die eine nicht erklärbare Besonderheit ausstrahlen, obwohl man noch keine einzige Seite gelesen hat und man doch ahnt: "Das könnte wieder so ein Schatz sein". 
Eine Bloggerkollegin, Jacquelin von bookaholic. hat diese Geschichten einmal als 'Mehr Bücher' betitelt und eine treffende Bezeichnung gibt es nicht. 
'Mehr Bücher' sind solche, die zwischen den Zeilen so viel stehen haben.
'Mehr-Bücher' sind solche, die man in die Welt hinaustragen möchte, weil man das dringende Bedürfnis verspürt, dass sie noch viel mehr Menschen lesen sollten. 
Man kann sich sicherlich denken, dass "Wie ein Fisch im Baum" zu diesen 'Mehr Büchern' gehört. Die Geschichte von Ally, geschrieben von Lynda Mullaly Hunt, ist möglicherweise genau dieses Buch, das unten links in der Ecke vom Buchregal in der Buchhandlung steht und dann übersehen wird. Aber genau deswegen schreibe ich auch so gerne über diese Art von Büchern, um ihnen zumindest eine kleine Plattform zu geben, um doch nicht übersehen zu werden. 
Ally ist großartig! Hätte ich so ein Mädchen früher in der Klasse gehabt, ich hätte alles getan, damit wir beide Freundinnen werden. Das wirklich Schlimme an der Sache ist aber, dass Ally gar nicht erkennt, dass gerade ihre Besonderheit sie zu diesem wundervollen Menschen macht, der sie ist. Völlig verunsichert nimmt sie den Spott und die Sticheleien ihrer Klassenkameraden in Kauf, um bloß ihr Geheimnis zu bewahren.
Aber glücklicherweise gibt es Mr. Daniels, der Inbegriff des coolen und lockeren Lehrers, den wir früher alle gerne haben wollten. Doch Mr. Daniels gibt eben auch nicht nach. Er erkennt, dass das Besondere in Ally eben nicht dazu führen sollte sie regelmäßig abzuschieben, sondern ihr klar zu machen, dass ihre Besonderheit sie als Menschen ausmacht.
Natürlich tauchen solche Lehrerfiguren in der Realität selten bis überhaupt nicht auf und deswegen ist "Wie ein Fisch im Baum" möglicherweise auch ein Buch für angehende Lehrer. Angehende Lehrer, die vielleicht auch so sein wollen wie Mr. Daniels, denn wir können wirklich nicht genug Typen wie Mr. Daniels in unseren Schulen haben.
Aber "Wie ein Fisch im Baum" ist auch etwas für dich und mich, weil hier ein elfjähriges Mädchen auf wundervolle Art und Weise lernt, was es bedeutet zu sich selbst zu stehen und da könnte sich manch ein Erwachsener noch eine Scheibe von abschneiden.
Also: Unbedingt stehen bleiben. Den zweiten Blick riskieren. Und lesen. 

Dienstag, 8. November 2016

Kevin Sands - Der Blackthorn-Code - Das Vermächtnis des Alchemisten





Verlag: dtv
Seiten: 330
Erschienen: 14. Oktober 2016
Preis: 15.95 Euro (Ebook: 13.99 Euro)







Der Arbeitsalltag des Apotheken-Lehrlings Christopher Rowe hat einiges zu bieten: Heiltränke zubereiten, Codes entschlüsseln und ab und an eine kleine Explosion, denn Christopher ist, neben seiner nicht enden wollenden Neugier, vor allem eines: sehr experimentierfreudig. 
Sehr zum Leidwesen seines Meisters Benedict Blackthorn, der, wenn er das Haus verlässt, immer wieder Angst haben muss seine Apotheke, bei seiner Wiederkehr, in Schutt und Asche vorzufinden. Blackthorn weiß aber trotzdem sehr wohl, was er an seinem Lehrling hat und weiß das auch durchaus zu schätzen. 
Was allerdings nicht zu Christophers Alltag gehören sollte, ist Mord. Aber mit genau einer mysteriösen Mordserie muss sich London gerade auseinander setzen. Das wirklich Seltsame daran? Immer wieder trifft es Inhaber von Apotheken.
Christoph muss schnell erkennen, dass sein Meister und er selbst keinesfalls außerhalb der Gefahrenzone sind, doch wer steckt hinter den grausamen Morden?
Glücklicherweise hat Blackthorn seinen Lehrling zudem in die Kunst eingeführt geheimnisvolle Codes zu entschlüsseln. Genau das bringt Christopher nämlich auf die Spur eines mächtigen Geheimnisses, einem Geheimnis, für das andere töten würden...

Geheime Codes entschlüsseln und mysteriöse Geheimnisse ergründen? Schon im Vorfeld schien der erste Teil der 'Blackthorn-Code' Reihe "Das Vermächtnis des Alchemisten" von Kevin Sands genau die richtige Geschichte für mich zu sein. Erst etwas später fand ich heraus, dass sich das Buch dem Genre 'Kinderbuch' zuordnet, was aber meiner Begeisterung das Buch lesen zu wollen, keinen Abbruch tat und nachdem ich es nun gelesen habe?
Der Auftakt der Blackthorn-Code Reihe ist sicherlich nicht "nur" ein Kinderbuch, einige Szenen platzieren die Geschichte wohl eher in den Jugendbuch-Bereich aber vor allem ist es eine unglaublich rasante, actionreiche und spannende Story. 
Kevin Sands entführt uns ins London des 17. Jahrhunderts, einem London, in dem 14-jährige Apotheken-Lehrlinge weniger als nichts zu sagen haben. Doch der Protagonist der Geschichte Christopher Rowe hat Glück. Mit Benedict Blackthorn gerät der ehemalige Waisenjunge nicht nur an einen wahnsinnig intelligenten Menschen , sondern auch an einen gütigen Lehrmeister, der immer ein nachsichtiges Lächeln für seinen Schützling übrig hat. Zudem hat Christopher in der Blackthorn Apotheke ein neues Zuhause gefunden. 
Und das ist auch das erste wichtige Fundament in Kevin Sands Geschichte: Die mehr als liebenswerten Figuren. Egal, ob es nun Meister Blackthorn selbst oder eben der Held des Buches Christopher oder sein bester und treuherziger Freund Tom ist, jeder Charakter hat eine Handvoll liebenswerter Züge, die ihn zu etwas ganz Besonderem machen. Gerade bei Christopher weiß man manchmal nicht, ob man über ihn lächelnd den Kopf schütteln, ihn für seinen Mut bewundern oder ihn beschützen will. Aber auch die restlichen Charaktere sollte man unbedingt kennen lernen. Man wird es ganz sicher nicht bereuen. 
Die Handlung in 'Der Blackthorn-Code' hat mich dann persönlich total überrascht, weil sie nicht eine Sekunde still stand. Immer passierte etwas, das mich dazu brachte schon fast begierig die nächste Seite aufzuschlagen. Dementsprechend flogen diese dann auch nur so dahin, so dass ich das Buch fast schon in Rekordzeit ausgelesen hatte. Auch die Rätsel und verschlüsselten Codes in der Handlung haben mir wahnsinnig gut gefallen. 
Allerdings muss ich noch einmal anmerken, dass, aufgrund vieler brutaler Szenen, ich das Buch nicht wirklich in den Kinderbuch Bereich einordnen möchte.
"Das Vermächtnis des Alchemisten" ist ein lesenswerter und toller Auftakt der Blackthorn-Reihe geworden. Ich freue mich schon sehr auf die Nachfolger. 

Sonntag, 6. November 2016

Lesemonat Oktober

Hallo ihr lieben Menschen, 
die zwei großen 'B': Buchmesse und Bachelor Arbeit haben dazu geführt, dass mein Lesemonat Oktober doch etwas kläglich ausgefallen ist, zumindest für meine Verhältnisse :) 
Im vergangenen Monat kam ich auf insgesamt sechs Bücher mit 2964 Seiten. Aber das Schöne bei einer relativ geringen Anzahl von Büchern,ist, dass kein Flop drunter war und jedes einzelne auf seine ganz individuelle Art und Weise besonders war. Dann können wir ja anfangen. 
Ich habe mich ja schon fast geschämt angesichts der Tatsache, dass ein Colleen Hoover Buch so lange auf meinem Stapel ungelesener Bücher lag. Aber im Oktober habe ich es endlich in Angriff genommen und was soll ich sagen? Colleen hat mal wieder alles gegeben. Ich mag ihren Erzählstil und ihre Geschichten einfach unheimlich gerne und das, obwohl ich Liebesromanen immer sehr skeptisch gegenüber stehe aber von dieser Frau würde ich einfach alles lesen. in "Ugly love" verschieben sich allerdings ein bisschen die Genregrenzen. Während ihre anderen Bücher eher in Richtung Drama mit Liebe gehen, ist dieses Buch mehr Drama, Liebe und Sex. Aber überhaupt nicht negativ gemeint, denn auch das beherrscht Colleen Hoover beinahe perfektionistisch. Ich hoffe, dass sie uns mit noch sehr, sehr vielen Geschichten beglücken wird, denn ihre Bücher sind immer grandios."Ugly love" ist bereits auf Deutsch erschienen, unter dem Titel "Zurück ins Leben geliebt", im dtv-Verlag.
Dann ging es weiter mit einem Buch, das ebenfalls schon viel zu lange ungelesen bei mir herumlag. Durch "London" von Christoph Marzi, das erst vor kurzem erschienen und der fünfte Teil der 'Uralte-Metropole' Reihe ist, wurde ich dann wieder aufmerksam und fand heraus, dass der erste Teil schon lange in meinem Besitz war und so entschloss ich mich spontan das 863 Seiten starke Abenteuer zu wagen. Und wurde nicht enttäuscht. 'Lycidas' ist ein zwar durchaus komplexes aber fantastisches und magisches Buch geworden. Ein unglaublich toller Auftakt der Reihe, ich hab mich auf den ersten Seiten bereits so schnell verliebt, dass ihr mir die restlichen Teile auch sofort besorgen musste. Christoph Marzi entführt uns nach London oder besser ausgedrückt: er führt uns zu einem Ort unterhalb Londons. Eine magische Welt, die sich in der Londoner Untergrundbahn gebildet hat und allerlei Kreaturen und Monster verbirgt. Es geht um Emily, einem Waisenkind, das von einer sprechenden Ratte eine wichtige Mission erhält. Alles andere müsst ihr aber selbst herausfinden und es lohnt sich definitiv.
Weiter ging es im Oktober mit dem zweiten Buch des Autorenduos Ursula Poznanski und Arno Strobel "Anonym". Schon der erste Thriller von den beiden "Fremd" konnte mich mehr als überzeugen und so war ich gespannt, was "Anonym" für mich bereit hielt. Auf jeden Fall erwähnenswert ist der besondere Schreibstil in den Romanen. In "Fremd", in der es jeweils einen weiblichen und männlichen Protagonisten gab, sind die Kapitel immer im Wechsel von den jeweiligen Charakteren erzählt worden und genauso ist es auch in "Anonym", nur dass es in diesem Fall um ein Ermittlerduo geht. Ein Ermittlerduo, die es mit einem besonders grausamen Serientäter zu tun bekommen, der ein Forum im Internet eröffnet und dort regelmäßig über sein nächstes Opfer abstimmen lässt. Zum großen Entsetzen der Ermittler findet diese Abstimmung auch regelmäßig großen Anklag, weil die meisten Menschen sich im Netz eben sicher und anonym fühlen. Ein spannender Thriller, der die menschlichen Abgründe aufzeigt.
Kommen wir vom Thriller zur Liebe. Und zu einem ganz besonderen Buch. Die Liebesgeschichte in "Irgendwann für immer" von Katja Millay ist auf jeder Seite außergewöhnlich und einzigartig. Die Seiten flogen nur so dahin und ich habe mich immer sehr darauf gefreut, wenn ich das Buch in die Hand nahm und weiter lesen durfte. Dabei passierte in der Handlung eigentlich gar nicht so viel aber zwischen den Zeilen fackelte es ein ganzes Feuerwerk ab. Unglaublich berührend und schön erzählt, aber auch dieser Kloß im Hals, wenn man etwas liest, dass man so nicht erwartet hätte, war dabei. Am Schluss zählte aber nur das Gefühl, dass man das Glück hatte eine wirklich besondere und schöne Geschichte lesen zu dürfen.
Im vergangenen Monat gab es dann auch eine kleine persönliche Premiere für mich: Ich habe mein erstes Buch von Gesa Schwartz gelesen. "Herz aus Nacht und Scherben" ist natürlich auf den ersten Blick ein absoluter Cover-Blickfang. Als ich dann auch noch im Klappentext gelesen habe, dass die Geschichte in Venedig spielen soll, musste ich das Buch unbedingt lesen. "Herz aus Nacht und Scherben" ist ein anspruchsvolles und tolles Fantasy-Spektakel geworden. Eine tolle Idee, die uns in das geheimnisvolle Reich der Scherben führt, eine Art zweite Welt, die parallel neben dem Venedig existiert, das wir kennen. Besonders gefallen, als Buchliebhaberin, haben mir die vielen kleinen Verweise und Zitate auf die Macht der Wörter, eine Macht, auf der fast die gesamte Handlung aufgebaut ist. Es wird sicherlich nicht mein letztes Buch von Gesa Schwartz gewesen sein. Wer nun neugierig geworden ist, ich habe zu "Herz aus Nacht und Scherben" noch eine Rezension geschrieben. 
Kommen wir als Letztes zu meinem absoluten Monatshighlight. Wieder mal habe ich gefühlte zehn Jahre auf das neue Buch meines Lieblingsautoren Sebastian Fitzek gewartet. Eigentlich war es nur ein Jahr aber die gefühlte Wartezeit ist natürlich immer viel länger. Und was soll ich sagen? Seit zehn Jahren wundere ich mich immer wieder, wie dieser Mann es schafft immer wieder einen drauf zu legen. "Das Paket" ist für mich mein neues Fitzek-Lieblingsbuch geworden. Ein grandioser Psychothriller im absoluten Fitzek-Schreibstil, der den Leser nicht einen Moment zu Atem kommen lässt. Ich habe es übrigens auch aufgegeben mir seine Bücher einteilen zu wollen. Das geht überhaupt nicht. Man denkt sich den fast schon obligatorischen Satz "Nur noch ein Kapitel" und wundert sich, wie dieses Kapitel plötzlich 100 Seiten haben kann. Ich habe "Das Paket" an einem Tag ausgelesen und keine Minute bereut, auch wenn ich jetzt wieder ein Jahr warten muss (zehn Jahre, es sind auf jeden Fall zehn Jahre...) 

So, das war er auch schon wieder: Mein kleiner Lesemonat Oktober. 
War was für euch dabei? Gibt es wohl möglich noch andere Fitzek Fans? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. 
Schönen Sonntag, 

Lisa. 

Dienstag, 1. November 2016

Gesa Schwartz - Herz aus Nacht und Scherben




Verlag: cbt
Seiten: 541
Erschienen: 03. Oktober 2016
Preis: 17.99 Euro (Ebook: 13.99 Euro) 








Viel zu lange Zeit ist vergangen seit die 17-jährige Milou ihre Großmutter zuletzt in Venedig besucht hat. Es wird höchste Zeit das nachzuholen. Bei ihrer Großmutter hat sich Milou nämlich immer wohl gefühlt aber auch die Gassen der Lagunenstadt Venedig haben sie magisch angezogen.
Nach ihrer Rückkehr, bemerkt Milou relativ schnell, dass sich seltsame Dinge in Venedig abspielen. Ein unheimlicher weißer Nebel taucht plötzlich auf und scheint die Kinder der Stadt zu verschlingen, denn immer, wenn er erscheint, verschwinden die Kinder spurlos in ihm. 
Milou will dem mysteriösen Geheimnis um den Nebel nachgehen und trifft im winterlichen Venedig auf Nìv, einem ganz und gar nicht normalen jungen Mann, der sich als ein sogenannter Rabenwandler herausstellt. 
Nur mit seiner Hilfe kann Milou das Rätsel um die verschwundenen Kinder der Stadt lösen, nur mit seiner Hilfe kann sie sich dem Reich der Scherben stellen, einer geheimnisvollen, verborgenen Welt, die parallel neben Venedig existiert. Aber können die beiden das schaffen? Denn das Reich der Scherben birgt nicht nur viele Gefahren, sondern Finsternisse, die Milou immer mehr zu verführen scheinen...

Mit "Herz aus Nacht und Scherben" habe ich mein erstes Gesa Schwartz-Buch gelesen und wurde entführt in eine dunkle Welt voller Magie, zerbrochenen Träumen und unerfüllbaren Sehnsüchten. 
Milou ist eine Heldin, die eigentlich keine sein will, weil sie doch viel lieber bei den Abenteuern der vielen Figuren in ihren Büchern dabei sein will, die sie so liebt. Es brauchte zwar etwas Zeit, bis sie einsah, dass sie nun selbst alle Fäden in der Hand hält und von der stummen Beobachterin in ihren Büchern nun zur einzigen Hoffnung dieser geheimnisvollen magischen Welt wurde, in der sie plötzlich, und ohne jede Vorwarnung, hineingestolpert ist. Und genau diesen Zwiespalt hat die Autorin wahnsinnig gut beschrieben. Selbst ich habe fast die Überforderung und die ungeheure Verantwortung, mit der Milou konfrontiert wurde, gespürt. Auch gefallen hat mir, dass sie nicht eine typische 08/15 Heldin gewesen ist, sondern, gerade durch ihre Bücher, eine Träumerin und das ihre größte Waffe ist. 
Und dann ist da noch Nìv, der fast über das gesamte Buch sich selbst völlig verschlossen hielt. Ich konnte nie vorausahnen, was er als Nächstes sagen oder tun würde. Nur sein unbändiger Wille Milou zu beschützen, schimmerte durch jede Seite hindurch. 
Die restlichen Figuren in "Herz aus Nacht und Scherben", die sogenannten 'Nebenfiguren' sind dieser Bezeichnung absolut nicht würdig, denn sie bringen genau das richtige Maß an Humor, Wärme, Freundschaft, Feindschaft, Drama und Liebe in die Handlung, die es ebenfalls in sich hat. 
Gesa Schwartz hat ein düsteres, geheimnisvolles und magisches zweites Venedig erschaffen, das ebenso eine tragische Hauptgeschichte, wie viele kleine Nebenhandlungen beinhaltet, die aber erklären, warum das Reich der Scherben zu dem wurde, was es heute ist.
Nív und Milou wagen die gefährliche und abenteuerliche Reise, um das Reich zu befreien und zu alter Magie zurückzufinden. Ihnen folgen Riesen, Krieger, magische Tiere, einfach alles, was eine richtig gelungene Fantasy-Geschichte ausmacht. Denn das ist "Herz aus Nacht und Scherben" zweifelsohne geworden. Ein tolles Fantasy-Spektakel, das ich aber auch als sehr anspruchsvoll empfunden habe. Milous und Nìvs Geschichte ist nämlich kein Buch, das man mal eben so nebenbei lesen kann. Die vielschichtige Handlung und auch die Personen regen zum Nachdenken über das eben Gelesene an.
Wenn man sich allerdings drauf einlässt, wird man mehr als belohnt. Als absolute Buchliebhaberin haben mir auch die vielen Zitate um die besondere Magie der Bücher und des Lesens gefallen, gerade auch deswegen, weil sich dieses Thema durch das gesamte Buch zieht. 
Mein erstes und wirklich gelungenes Buch also von Gesa Schwartz und es werden sicherlich noch weitere folgen. 

Montag, 10. Oktober 2016

Lesemonat September

Herzlich Willkommen zu meinem etwas verspäteten Lesemonat September!
Im vergangenen Monat habe ich neun Bücher gelesen, wovon eines ein Ebook gewesen ist. Insgesamt komme ich auf 3660 Seiten. 
Das waren die Fakten und nun wird es etwas genauer, los geht's!
Das erste Buch, das ich im September gelesen habe, war das lang erwartete zweite Buch einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen, Melanie Raabe. Ihr erstes Buch "Die Falle" gehört zu den besten Thrillern, die ich jemals gelesen habe und von daher war ich sehr gespannt, wie mir das zweite "Die Wahrheit" gefallen würde. Melanie Raabe hat einen unglaublich tollen und unverwechselbaren Schreibstil, mit dem sie ihre Leser sehr gerne auf die falsche Fährte lockt. So glaubt man in ihren Büchern eigentlich immer den Schuldigen zu kennen, wird im Laufe der Geschichte aber immer misstrauischer gemacht, um am Ende überhaupt nicht mehr zu wissen, wem man von den Figuren jetzt noch trauen kann. Und das wurde in "Die Wahrheit" wieder einmal hervorragend umgesetzt. Die Handlung, die Schauplätze, die Figuren, alles spielt zusammen in dieser Geschichte und auch das Ende hat mich dann noch sehr überrascht. Für alle Thriller-Fans und die, die es noch werden wollen, für die habe ich auch noch eine Rezension zu diesem Buch geschrieben. 
Kommen wir nun zu einem Buch, das ich aufgrund einer Bloggeraktion vom Loewe Verlag sogar vorab lesen durfte. "Demon Road - Hölle und Highway" ist der lang erwartete Auftakt zur neuen Reihe von 'Skulduggery Pleasant'-Autor Derek Landy und der Klappentext versprach einen rasanten Roadtrip mit jeder Menge schräger Typen, einer mutigen Heldin aber auch gefährlichen Monstern und Dämonen und das konnte die Geschichte schlussendlich auch einhalten. Zwischendurch hatte ich immer wieder das Gefühl mitten in ein Quentin Tarantino Film gefallen zu sein, wegen der coolen Dialoge aber auch eben wegen den besonderen Figuren. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Nachfolger, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen werden. Wer noch zweifelt, ob dieser höllische Roadtrip auch wirklich was für ihn ist, habe ich auch zu diesem Buch eine Rezension geschrieben. 
Das nächste Buch aus dem Monat September kommt von Megan Shepherd und ist ebenfalls der Auftakt einer neuen und vor allem vielversprechenden Trilogie. Trotzdem hat sich "The Cage-Entführt" im Vorfeld wie ein weiterer typischer dystopischer Jugendroman angehört. Ein paar Kids, die entführt werden und an einen ihnen völlig unbekannten Ort aufwachen, das kannte man irgendwie schon. Aber weit gefehlt! Mit einer völlig überraschenden Wendung in der Handlung, wird der Auftakt der 'The Cage' Trilogie plötzlich zu einem spannenden Science-Fiction Thriller mit einer unglaublich tollen und frischen Idee. Nach dieser Wendung konnte ich das Buch auch fast gar nicht mehr aus der Hand legen und war sehr gespannt, wie es weiter ging. Das Ende macht dann sehr viel Lust auf die beiden Nachfolger. Und auch wer hier noch nicht ganz überzeugt wurde: Auch zu diesem Buch habe ich eine Rezension geschrieben. Ich war offensichtlich sehr fleißig vergangenen Monat :)
Weiter ging es mit dem einzigen Ebook des Lesemonats. "Beauty Hawk" von Andreas Dutter hat mich fast schon verfolgt. Egal, ob bei Facebook oder bei Instagram, überall habe ich dieses Buch gesehen und wurde folglich immer neugieriger auf die Geschichte. Und obwohl ich diesen Beauty-YouTubern mehr als skeptisch gegenüberstehe, mochte ich die Geschichte. Die Protagonistin war zwar an vielen Stellen etwas anstrengend aber ich mochte die Idee und insgesamt hat es mich zwar nicht umgehauen aber konnte mich dennoch gut unterhalten. Der Schreibstil war sehr angenehm und gut zu lesen, insgesamt eine gute Geschichte für zwischendurch.
Kommen wir nun zu meinem ersten Monatshighlight. Es wird also noch eins geben. Ich freue mich schon auf meine Jahreshighlights, ich werde mich niemals zwischen den vielen tollen Büchern, die ich gelesen habe, entscheiden können. Eines davon ist aber auf jeden Fall "George" von Alex Gino. "George" ist ein kleines Buch mit zwar verhältnismäßig wenigen Seiten, das aber eine großartige und vor allem sehr, sehr wichtige Geschichte enthält. "Sei, wer du bist", ein Motto, das sich durch das gesamte Buch zieht. George ist zehn Jahre und fühlt sich als Mädchen. Sie versteckt heimlich Mädchenzeitschriften in ihrem Schrank und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihr Geheimnis verraten zu dürfen. Doch sie hat Angst, wie ihr Umfeld und vor allem ihre Familie auf diese Nachricht reagieren werden. Doch dann erhält George die Chance in einem Theaterstück die Hauptrolle spielen zu dürfen, die weibliche Hauptrolle... Manche Bücher machen dich besser, dieses Buch gehört dazu! Unbedingt lesen! 
Das nächste Buch gehört wieder zu einer Reihe, die sich langsam aber sicher zu einer meiner Lieblingsreihen entwickelt. "Kriegerin im Schatten" ist der zweite Teil der 'Throne of Glass' Serie von Sarah J. Maas und wie schon im ersten Teil konnte ich dieses Buch einfach nicht aus der Hand legen. Besser kann man High-Fantasy wirklich nicht schreiben. Mehr als beeindruckende Schauplätze, Figuren, die einen so sehr ans Herz wachsen, das man schon einmal eine Träne verdrückt, wenn etwas völlig Unerwartetes passiert und eine Handlung, die einen fast nicht mehr zu Atem kommen lässt. Ich liebe wirklich alles an dieser Geschichte und habe nun extra bis in den Oktober hinein gewartet, bis ich den dritten Teil beginne, damit ich nicht mehr so lange auf den vierten Teil warten muss, der in Deutschland am 11. November erscheint. 
Weiter ging es im September mit einem Buch, das mich am Ende dann doch etwas enttäuscht hat. Vielleicht lag es auch daran, dass ich einfach viel zu viel von "Plötzlich Banshee" von Nina MacKay erwartet habe, da man es ja irgendwann überall sah. Aber nach dem viel versprechenden Klappentext konnte mich das Buch dann leider doch nicht überzeugen. Die Handlung war, für meinen Geschmack, viel zu überladen und auch die Protagonistin wirkte einfach nicht authentisch. Sie versuchte viel zu sehr lustig zu sein und wurde dann doch eher unglaubwürdig als alles andere. Die gesamte Geschichte war, meiner Meinung nach, zu sehr gewollt aber nicht gekonnt. Sehr schade aber immer noch nur meine individuelle Meinung. Ich habe auch sehr viele positive Stimmen zu dem Buch gehört. 
Das nächste Buch aus dem Monat September kam von Ulla Scheler und hieß "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen". Auch hier hat mich der Klappentext magisch angezogen. Das Buch wirkte geheimnisvoll und deswegen musste ich es unbedingt lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte von Ben un Hanna wird ruhig erzählt, ist aber dennoch stürmisch. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe. Was mir besonders gut gefallen hat ist der Hauch Mystik, der die Handlung durchzogen hat und auch der besondere Schreibstil der noch jungen Autorin, die mit "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ihren Debütroman vorgelegt hat. Das Buch enthält schon fast eine poetische Sprache, die mich wirklich in den Bann zog. Wer nun neugierig geworden ist, aber noch nicht ganz sicher, auch hier habe ich eine Rezension geschrieben. 
Als letztes möchte ich euch mein zweites Monatshighlight vorstellen. Es geht um "Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis aus dem Königskinder Verlag (Carlsen). "Alles, was ich sehe" ist durch und durch besonders, auf jeder einzelnen Seite. Schon von Beginn an hatte ich dieses Gefühl, das man nur hat, wenn man ein besonderes Buch in den Händen hält und das lag vor allem an den Figuren der Geschichte. Eigentlich kann und darf man niemanden hervorheben aber ich muss. Ich habe noch nie jemanden wie Ben kennen lernen dürfen. Ben ist so wundervoll, das sogar mir die Worte fehlen. Ben ist mutig, Ben ist witzig, Ben trägt dieses Buch durch die gesamte Handlung. Aber ich wollte ja niemanden hervorheben :)
Ihr müsst "Alles, was ich sehe" nicht lesen aber wenn ihr es doch tut, kann es sein, dass dieses Buch und vor allem dieser kleine Junge eure Welt ein bisschen besser macht, sei es auch nur für einen kurzen Moment. Auch hierzu gibt es eine Rezension oder besser gesagt eine Lobeshyme. 

So, das war er auch schon wieder. Mein Lesemonat September. Vielleicht war ja das ein oder andere Buch für eure Wunschliste dabei oder ihr habt selber schon etwas davon gelesen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Lisa. 

Dienstag, 4. Oktober 2016

Ava Reed - Mondprinzessin






Verlag: Drachenmond Verlag
Seiten: 252
Erschienen: 30. September 2016
Preis: 12.00 Euro (Ebook: 3.99 Euro)








"Seit Anbeginn der Zeit waren Erde und Mond Freunde. Bis der Mond sich nach mehr sehnte, bis er sich Kinder schuf und formte - aus seinem Staub, aus seinem Herzen und aus den Sternen."

Lynn dachte immer, sie wäre eine ganz normale junge Frau. Jemand, dem das Leben zwar schon jetzt ziemlich übel mitgespielt hat, aber der dennoch klar kommt und es schafft immer wieder aufzustehen. 
Doch dann änder sich an Lynns Geburtstag plötzlich alles. Auf der Haut ihres Unterarms zeichnet sich ein Sternbild ab. Die einzelnen Punkte beginnen zu leuchten und ehe sich Lynn versah ging dieses Leuchten auf ihren gesamten Körper über. Und von einem auf den anderen Moment war Lynn plötzlich auf der Flucht vor ihr völlig unbekannten Verfolgern, um dann in die Arme eines jungen Mannes, namens Juri, zu laufen. 
Doch die seltsamen Ereignisse, die Lynns Leben komplett auf den Kopf stellen, haben gerade erst begonnen. Juri eröffnet der völlig perplexen Lynn, dass sie wahrhaftig etwas Besonderes ist und zwar die schon lange verschollene Mondprinzessin. Lynn erfährt, dass das Leben viel mehr für sie bereit hält, als sie angenommen hat, sowohl gute, als auch negative Dinge...

Wie man bereits in meinen letzten Rezensionen gemerkt haben dürfte, bin ich Fan von Ava Reed. Ich liebe ihren Schreibstil und die Tatsache, dass sie über wohl jedes Genre schreiben kann. Sowohl ihre Fantasy-Bücher (Spiegelsplitter und Spiegelstaub), als auch ihre tieftraurige Liebesgeschichte (For Good - Über die Liebe und das Leben) habe ich in mein Herz geschlossen. 
Aber ich muss an dieser Stelle sagen, dass Ava Reed mit der Mondprinzessin mein absolutes Lieblingsbuch von ihr zur Papier gebracht hat. 
Es war, als hätte sich irgendwo ein Loch aufgetan und ich wäre in die Geschichte hineingefallen und die Figuren hätten gesagt: "Ach, da bist du ja wieder! Wo warst du bloß so lange?". Es ist wirklich etwas Besonderes, wenn es eine Autorin schafft Charaktere zu erschaffen, mit denen man sich so identifizieren kann, dass man das Gefühl bekommt, man würde sie schon ewig kennen. Obwohl Lynn doch eigentlich ganz anders ist. Ich könnte nie so stark sein wie sie und das Gefühl der Einsamkeit immer wieder verdrängen, in der Hoffnung, dass irgendwo etwas Besseres wartet. Aber ich konnte mich selbst in ihren Handlungen und Gedanken wiedererkennen und das war wohl auch der Grund, warum ich sie von ihren ersten Auftreten in der Geschichte ins Herz geschlossen habe. 
Und dann ist da auch noch Juri. Juri, der große und gutaussehende Held, der Lynn im letzten Moment rettet und ihr das unglaubliche Geheimnis ihrer Vergangenheit enthüllt. Juri, der immer nur für das Gute kämpft, der weiß, was er für eine Rolle in Lynns Leben einnimmt, aber sich dennoch nicht gegen seine Gefühle für sie wehren kann. 
Denn genau das ist ein weiterer besonderer Punkt in diesem Buch: Die Liebesgeschichte zwischen Juri und Lynn. Eine Liebesgeschichte, die nicht sein darf aber gegen die sich dennoch keiner wehren kann, sowohl der Leser nicht, als auch die beiden selbst nicht. Nun sagt ihr: 'Verbotene Liebesgeschichten? Die gibt es doch in vielen Büchern!' Aber Juris und Lynns ist trotzdem etwas ganz Besonderes, einfach, weil die beiden selbst einmalig sind. Weil sie aus der Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, das Beste machen. Weil man einfach die ganze Zeit hofft, dass hinter der nächsten Ecke doch noch ein Happy End für die beiden herumliegt. 
Wundervolle Charaktere, die man sofort in sein Herz schließt, das ist euch noch nicht besonders genug? Na gut, Ava Reed legt natürlich noch einen drauf. Jeder, der ihre Spiegel-Saga gelesen hat, hat sich natürlich in Kohana, den sprechenden Fuchs, verliebt. Das ging überhaupt nicht anders. Und auch in der Mondprinzessin spielt ein sprechendes Tier eine wichtige Rolle.
Tia ist ein Waschbär. 
Tia ist witzig. 
Tia ist klug. 
Tia ist wundervoll. 
Ihr müsst Tia kennen lernen! 
Kohana wird zweifellos einen Platz in euren Herzen für den wohl besten Waschbären der Welt frei machen. 
Was soll ich noch sagen?
Auch die Handlung wird euch nicht zur Ruhe kommen lassen. Ava Reed vermischt unsere alltägliche Welt mit einer geheimnisvollen und fantastischen Welt, die ich so detailliert vor meinem Auge gesehen habe, dass ich unmöglich nur im Geiste dabei gewesen sein kann. Ich war beim Training mit Juri und Lynn dabei und habe über Tias Witze gelacht, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was an der nächsten Ecke auf mich wartet. In keinem anderen Ava Reed Buch zuvor war die Handlung so unvorhersehbar, wie in der Mondprinzessin. Zum Glück gab es Tia, die mich an die Hand nahm, um immer wieder den nächsten Schritt zu gehen. Und, um auf meinen ersten Satz, bezüglich der Handlung, zurückzukommen: Sie wird euch nicht nur nicht zur Ruhe kommen lassen, sondern euch möglicherweise auch das Herz brechen. Aber keine Sorge, irgendwann wird es wieder besser werden und ihr werdet verstehen, dass es nicht anders ging.
Die Mondprinzessin von Ava Reed ist besonders auf jeder einzelnen Seite. Sie wird euch Gänsehaut bereiten, zum Lachen bringen, zum Weinen und zum Hoffen. Es ist eine fantastische Reise, die ich nicht so schnell vergessen werde und ich kann nur hoffen, dass sich möglichst viele auf diese Reise begeben. 
Diese Welt und diese Figuren sollten nämlich so viele Zuschauer wie möglich haben. 

Mittwoch, 28. September 2016

Marci Lyn Curtis - Alles, was ich sehe





Verlag: Königskinder (Carlsen)
Seiten: 427
Erschienen: 18. März 2016
Preis: 18.99 Euro (Ebook: 10.99 Euro)






Aufgrund einer Erkrankung, verlor Maggie vor einiger Zeit ihr Augenlicht und muss nun mit dem harten Schicksal zurechtkommen fortan als Blinde durch ihr Leben zu gehen. Doch Maggie schafft es einfach nicht dieses Leben anzunehmen. Sie will nicht tapfer sein, sie will nicht das mutige, blinde Mädchen sein, das trotz allem ihr Leben meistert. Denn das entspräche nicht der Wahrheit. Maggie zieht sich zurück von ihren jetzt ehemaligen Freunden, ihren Hobbies, einfach allem, was sie ausgemacht hat. Auch auf den Unterricht, der ihr eigentlich dabei helfen soll zumindest mit ihrer Umwelt zurechtzukommen, kann sie gut verzichten. 
Doch dann ändert sich plötzlich alles, als Ben in Maggies Leben tritt. Ben ist ein zehnjähriger, altkluger, hinreißender aber vor allem ganz besonderer Junge, denn er ist der Einzige, den Maggie plötzlich wieder sehen kann. Ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie das möglich ist, entsteht zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft. Und dann ist da auch noch Bens Bruder Mason, der zufällig der Sänger von Maggies Lieblingsband ist und in Sachen 'hinreißend sein' seinen jüngeren Brüder in nichts nachsteht. 
Doch Mason lässt Maggie immer wieder grob abblitzen, weil er glaubt, dass sie ihre Blindheit nur vortäuscht und es nicht ehrlich mit Ben meint.
Maggie weiß, dass man sie wohl möglich in die Irrenanstalt einliefern wird, wenn sie den besonderen Umstand erwähnt, der Ben in ihr Leben gebracht hat. Doch dann erfährt Maggie plötzlich, warum sie ausgerechnet nur Ben sehen kann und alles andere wird unwichtig...

Wisst ihr, was mein großes Ding ist?
Dass ich immer wieder das Glück habe diese besonderen Bücher lesen zu dürfen. Diese Bücher, die den Herzschlag beschleunigen. Weil sie schön sind und weil sie gut tun. Weil sie nachklingen und weil du hoffst die Menschen, die du in diesen Büchern triffst, auch im echten Leben zu begegnen. Ich würde sehr viel für einen Ben in meinem Leben machen. 
Aber auch, weil sie schrecklich sein können. Schön und schrecklich zugleich. Schrecklich schön. Weil sie dir einen dicken Kloß im Hals verpassen. Weil sie dir sagen, dass das Leben kurz ist und du das Beste draus machen sollst. 
Und das ist wohl auch die größte Botschaft, die das Buch "Alles, was ich sehe" von Marci Lyn Curtis seinen Lesern mitgeben will. Mach das Beste aus dem, was du hast. Auch wenn du Schicksale zu tragen und Lasten unzählige Berge hochzuschleppen hast. Irgendwo wartet genau das, wofür diese Mühen es wert waren. 
Und wenn ich nun die Frage beantworten müsste, ob diese Botschaft bei mir, als Leserin, angekommen ist? Dann würde das Wort 'Ja' einfach zu wenig Aussagegehalt besitzen. 'Ja' beschreibt nicht im Mindesten, was diese Geschichte mit mir angestellt hat. Wie sollte sie auch anders, wenn sie mit so unglaublich wundervollen Charakteren ausgestattet wurde?
Maggie? Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, wie es ist blind zu sein, auch wenn ich es, während der Lektüre, mehr als einmal versucht habe. Maggie hatte die Möglichkeit die Schönheit der Welt sehen zu dürfen, bevor sie mit ihrem Schicksal von einem auf den anderen Moment zurechtkommen musste und genau das will sie nicht einsehen. Sie will nicht einsehen, dass sie nie wieder etwas sehen wird und noch niemals zuvor habe ich Gedankengänge, Aussagen und Handlungen von einem Protagonisten so sehr nachvollziehen können, wie bei ihr. Natürlich konnte ich mich nicht in sie hineinversetzen, denn wer hätte das schon gekonnt, der es nun mal nicht kennt aber ich habe den Menschen 'Maggie' verstanden, sowohl in ihren schlechten, als auch in ihren guten Eigenschaften. Und ganz ehrlich? Selten zuvor wollte ich in ein Buch hineinkriechen, um einen Charakter einfach nur zu umarmen und ihm Trost zu spenden. 
Ben? Eigentlich reichen Worte nicht aus, um Ben zu beschreiben. Ben muss man erleben, man muss ihn kennen lernen, mit ihm und manchmal auch über ihn lachen, man muss Sachen sagen wie "Ach, Ben!" und genervt die Augen verdrehen aber vor allem muss man ihn bewundern. Nicht nur, weil er der wohl witzigste zehnjährige Junge auf diesen Planeten ist. Nicht nur, weil er charmant, altklug und absolut hinreißend ist. Nicht nur, weil er, wenn er solche Sachen über sich lesen würde, wahrscheinlich so etwas sagen würde, wie "Das wusste ich schon alles aber red' ruhig weiter!". Nein, vor allem, weil er stark ist. Ben ist so unglaublich stark und weil er mutig ist. Wenn andere Leute sagen: "Das kann ich nicht!", macht Ben es einfach. Wie ich schon bereits erwähnte, würde ich sehr viel für einen Ben in meinem Leben machen. 
Aber auch alle anderen Figuren in "Alles, was ich sehe" tragen die Geschichte. Dieses Buch würde ohne diese Charaktere einfach nicht funktionieren, die Botschaft würde es nicht. Aber glücklicherweise gibt es sie alle und sie warten darauf ihre Geschichte zu erzählen. Mich hat genau diese Geschichte mehr als berührt. 
"Alles, was ich sehe" gehört zu diesen besonderen Büchern, die die eigene, individuelle Leserwelt ein klein bisschen besser machen, die insgesamt alles einfach schöner machen. Und die einen zu der Frage veranlassen, was wohl das eigene ganz große Ding ist.

Meins sind solche Bücher.
Unbedingt lesen!

Hier geht's zum Buch 

Montag, 26. September 2016

Ulla Scheler - Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen





Verlag: Heyne fliegt
Seiten: 365
Erschienen: 08. August 2016
Preis: 14.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)









Ben und Hanna sind, seit Ewigkeiten, beste Freunde, obwohl die beiden eigentlich grundverschiedene Menschen sind. Hanna ist eher der ruhige, rationale und vernünftige Typ, während Ben wild, tollkühn und ein großer Geschichtenerzähler ist. Er schafft es sofort Menschen für sich einzunehmen, während Hanna sich zurückhält.
Nach dem Abi packen die beiden das Auto von Ben voll und machen eine Reise ans Meer. Ihr Weg führt sie zu einem fast menschenleeren Strand, der an ein kleines Dorf grenzt, das ebenfalls so wirkt, als hätte es, seit langer Zeit, niemand mehr besucht. Doch für Ben und Hanna ist es der ideale Ort und so stellen sie ihr Zelt auf, gehen schwimmen, veranstalten ein Lagerfeuer und machen all die Dinge, für die sie sich in letzter Zeit zu wenig Zeit genommen haben. Und Ben erzählt natürlich wieder jede Menge Geschichten. Doch zu diesen kommt noch eine weitere hinzu, wie Ben und Hanna schnell erfahren sollen. Um den Strand, den sie sich als Reiseziel ausgesucht haben, rankt sich eine düstere Legende, die sie zunächst nicht ernst nehmen. 
Doch plötzlich mehren sich mysteriöse Anzeichen und viel zu spät erkennt Hanna, dass Ben in großer Gefahr schwebt...

"Nachdem ich ein Buch beendet hatte und die Helden noch neben mir saßen, hatte ich meine Tasche gepackt, mich vor die Tür gesetzt und in die Dunkelheit gestarrt. 
Wenn ich nur lange genug dort warten würde, dann würde das Abenteuer vorbeilaufen und mich mitnehmen."

Hannas Abenteuer kam in Form ihres besten Freundes Ben und nahm sie mit auf eine Reise, die sie wohl niemals wieder vergessen würde. "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ist ein Titel, der viel und gleichzeitig sehr wenig über die Geschichte von Ulla Scheler aussagt. Natürlich assoziiert man erst einmal damit eine Gefahr, die sich einer oder beide Protagonisten aussetzen werden aber in dem Debütroman dieser jungen Autorin steckt noch sehr viel mehr. 
Ruhig und melancholisch erzählt Ulla Scheler die Geschichte zweier Menschen, die ausbrechen wollen aus ihrem Leben, aber gleichzeitig Angst vor dem haben, was sie dort erwartet. 
Ben und Hanna sind schon, seit Ewigkeiten, beste Freunde, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein können. Hanna trifft ungern spontane Entscheidungen und überlegt sich Dinge lieber mehrmals, während Ben mutig und wild auf sein Herz hört und somit aber auch mal öfter die falsche Entscheidung trifft und in Schwierigkeiten gerät. Und genau hier liegt das Geheimnis der Freundschaft zwischen den beiden und der Grund, warum die beiden Protagonisten, während der Handlung, so gut miteinander harmonieren. Sie ergänzen sich. Ohne Scheu weisen sie sich auf Fehler hin und kommen somit bestens miteinander aus. Bloß in den Situationen, in denen sie sich gegenseitig herausfordern und das sind in der Geschichte nicht wenige, kommt es zwischen Ben und Hanna zum Streit.
Auch die Handlung an sich, die ich mir im Vorfeld beim besten Willen nicht vorstellen konnte, ist gut konstruiert. Sowohl der Schauplatz, als auch die düstere Legende, die sich um den Strand rankt, geben der ganzen Story einen mysteriösen Glanz. "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ist aber hauptsächlich eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Beste aus dem zu machen, was das Leben uns gibt. 
Am meisten überrascht und an vielen Stellen wahnsinnig berührt hat mich allerdings der Schreibstil der Autorin. In fast schon philosophischen Bildern präsentiert Ulla Scheler vor allem den Charakter von Ben auf eine ganz außergewöhnliche und schöne Art und Weise. Auch ihre Schauplätze und vor allem das Meer, das eine tragende und bedeutende Rolle in der ganzen Geschichte spielt, beschreibt sie wunderschön und mit einem Hauch Poetik. So ist das ganze Buch voller Zitate und Weisheiten, die ich mir alle markieren musste. 
Zusammenfassend ist "Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen" ein wirklich lesenswertes Erstlingswerk geworden. Sowohl die Handlung, die zur Mitte hin noch einmal die ganze Geschichte umwirft, als auch die Charaktere und vor allem der Schreibstil, konnten mich am Ende mehr als überzeugen. 

Sonntag, 18. September 2016

Megan Shepherd - The Cage - Entführt





Verlag: Heyne fliegt
Seiten: 464
Erschienen: 29. August 2016
Preis: 12.99 Euro (Ebook: 9.99 Euro)








Stell dir vor, du wachst völlig orientierungslos an einem dir unbekannten Ort auf und weiß nicht, wie du dorthin gekommen bist. 
Für Cora wird dieser Albtraum grausame Wirklichkeit. Sie wacht in einer Wüste auf und trifft, nachdem sie eine Weile planlos herumgeirrt ist, auf Lucky, der ebenfalls an diesem Ort aufgewacht ist und keine Erinnerung daran hat, wie er dorthin kam. Auch ihre Umgebung stellt sich, nach einem kurzen Erkunden, als höchst ungewöhnlich heraus. Die Wüste, in der die beiden sich befinden, grenzt nicht nur an ein Meer, sondern auch an eine Tundra und ebenfalls an einer filmkulissenähnlichen Stadt. In der treffen Cora und Lucky auf Rolf, Nok und Leon, denen dasselbe Schicksal wiederfahren ist.
Doch was war das für ein seltsamer Ort und vor allem: Wer hat sie dorthin gebracht? 
Schon bald darauf taucht der unheimliche Cassian bei den Jugendlichen auf und stellt sich als ihr Wächter vor. Tausende Kilometer von Zuhause entfernt, erfährt Cora, dass sie nicht nur entführt, sondern auch in einen Käfig gesperrt wurde. Nun setzt sie alles daran zu fliehen. Doch geht das überhaupt? Und kann sie Lucky, zu dem sie sich hingezogen fühlt, vertrauen?

Wenn ich den Auftaktband zur "The Cage" Trilogie von Megan Shepherd mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre dieses Wort wohl 'abgedreht'. Eher ausgedrückt: Total abgedreht. Im gleichen Atemzug möchte ich aber auch gerne das Wort 'fasznierend' in den Raum werfen und ebenfalls betonen, dass dieses ganze Leseerlebnis ganz anders war, als ich es erwartet habe. Und diese gesamten bunt zusammengewürfelten Leseeindrücke sind allsamt positiv gemeint. Denn nach dem erstmaligen Betrachten der Inhaltsangabe war ich zwar durchaus an der Geschichte interessiert, dachte aber gleichzeitig, dass der Klappentext in irgendeiner Form bereits schon bekannt ist. Eine Handvoll Jugendlicher, die sich an einen ihnen völlig unbekannten Ort wiederfinden, das Prinzip ist bereits vertraut. Und dennoch, nachdem die ersten Unklarheiten bei den Protagonisten beseitigt waren und schließlich der Grund für ihr Dasein an diesem seltsamen Schauplatz offen gelegt wurde, stellt sich heraus, dass wir es mit einer Geschichte zu tun haben, die eine neue und frische Grundidee zum Ursprung hat. Natürlich will ich an dieser Stelle nicht verraten, in welchem Umfang Megan Shepherd ihre Leser mit ihrem vorhersehbaren Klappentext an der Nase herumgeführt hat, möchte aber betonen, dass ich damit nicht gerechnet habe und sehr beeindruckt davon war, was für einen unheimlichen aber gleichzeitig faszinierenden Schauplatz die Autorin hier erschaffen hat. 
Und auch ihre Charaktere sind interessant und vor allem vielseitig ausgearbeitet. Während man mit den einen mitleidet und ihnen am liebsten zuflüstern möchte: "Du schaffst das! Ich glaub an dich!", möchte man die anderen schütteln und sie fragen, ob sie nun komplett verrückt geworden sind. An dieser Art und Weise, wie die Charaktere miteinander agieren, bekommt man auch einen Hinweis auf den Inhalt der Geschichte denn der Grat zwischen Wahnsinn und Rationalität in "The Cage" ist verdammt schmal. So schmal, dass einige Protagonisten dies zum Anlass nehmen auf ihn fröhlich hin und her zu springen. 
Einen besonderen Stellenwert hatte für mich die Figur des Cassian, des Wächters, besonders im Zusammenhang mit der Kommunikation gegenüber den Jugendlichen, speziell Cora. Hier hat es nämlich die Autorin besonders gut geschafft die völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen auf ihre Umgebung, zwischen den beiden Seiten, und die daraus entstandenen Kommunikationsschwierigkeiten in so einer intensiven Art und Weise darzustellen, dass die Handlung zwischenzeitlich in eine fast schon grausame psychologische Ebene wechselte, die aber eben den Spannungsbogen in der Geschichte noch einmal hochschnellen ließ. 
Erzählt wird "The Cage - Entführt" kapitelweise aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten, wobei der Fokus auf Cora und Lucky liegt. Das hat zum Vorteil, dass auch die Hintergrundgeschichte der verschiedenen Figuren dem Leser offenbart und so zum Verständnis ihrer Beziehungen untereinander beigetragen wird.
Zusammenfassend ist der erste Band der "The Cage" Trilogie ein mehr als vielversprechender Auftakt geworden. Insgesamt gab es zwar noch kein Moment, der mir den Boden unter den Füßen wegziehen konnte aber trotzdem ist es eine frische und neue Idee, die teilweise schockiert aber vor allem Lust auf die Nachfolgebände macht.
Für Dystopie und Science-Fiction Fans fast schon ein Muss. Und ich denke, auch alle anderen werden auf ihre Kosten kommen. 
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